Interviews

Veröffentlicht am 10.09.2021 | von Emely Triebwasser

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SHELTER BOY – Interview

Foto-© Pia Henkel

Da ist es endlich, das Debütalbum Failure Familiar des hiesigen Newcomers Shelter Boy, das uns inmitten des Gefühlschaos des Musikers zieht. Mit einer vielseitigen Klangpalette – von den Brit-Pop-Hymnen, mit denen sich Oasis einen Namen gemacht haben, bis hin zu Mac DeMarcos sanftem Schluffi-Gitarrenpop und King Krules Beat-getriebenem Songwriting – ist es eine eindrucksvolle Einführung eines Musikers, der klassische Ideen nutzt, um die Herausforderungen des modernen Lebens zu ergründen. Das Ergebnis ist eine vielschichtige und treibende Musik, die gleichzeitig erholsam und selbstreflexiv ist. Wir trafen Simon Graupner, alias Shelter Boy vor einigen Wochen zum Interview!

Hi Simon! Wie geht’s dir und wie waren die letzten Monate für dich?
Moin! Mir geht’s gut, die letzten Monate waren auch gut! Ich hoffe es ist ein gutes Album geworden und generell war’s halt ne gute Zeit. Durch Umzug und sowas war’s teilweise ein bisschen stressig, aber trotzdem nice.

Dein Debüt erscheint ja bald, wie aufgeregt bist du und wie gehst du damit um?
Gerade bin ich gar nicht aufgeregt, aber so langsam rückt es näher und in dem Zuge kommt das dann bestimmt irgendwann. Aber gerade fühlt sich alles ganz natürlich an.

Erstmal zum Einstieg: Wie kam es überhaupt dazu, dass du Musik machen wolltest? Ging das bereits als Kind los?
Ich hab mit 11 meine erste Gitarre bekommen, dann hab ich die Beatles entdeckt und dann wollte ich die Beatles sein (lacht). Daraufhin hab ich dann angefangen in einer Band zu spielen und von da an hat das dann alles seinen Lauf genommen.

Hattest du musikalische Eltern?
Ne gar nicht, niemand bei mir in der Familie kann irgendwas zocken. Außer mein Großvater, den ich nicht kenne, der konnte Schifferklavier spielen!

Du hast es ja gerade schonmal angedeutet – du hast vor deiner Zeit als Solo-Künstler mal in einer Band gespielt, konntest du aus dieser Zeit viel für deine heutige Musik mitnehmen?
Ja, dass ich’s alleine machen möchte (lacht) und die Entscheidungsgewalt über Dinge haben möchte.

Und musikalische Knowledge? Ist dadurch viel entstanden oder kam das dann erst später?
Ich glaub nicht dadurch, ich glaube, das ist dann erst später, durch viel Musik hören und Fan von vielen Dingen zu sein, dazu gekommen. Dadurch habe ich meinen Style eher gefunden.

Das Album ist unweigerlich mitten in der Pandemie entstanden, wie sehr hat das den Albumprozess beeinflusst?
Ich hatte auf jeden Fall mehr Zeit zum Schreiben, ich hab schon gerade in der Zeit ganz viel für das Album geschrieben. Es ist tatsächlich immer an Wochenenden entstanden, also das Recording. Was aber ganz cool war, weil wir dann am Wochenende jeweils zwei bis drei Tracks geschraubt haben und da schon die Demos für das darauffolgende Wochenende vorgestellt haben und in der Woche dann wieder daran gearbeitet haben.

Also würdest du schon sagen, dass es für dich ganz positiv war, dass es in diese Zeit gefallen ist?
Auf keinen Fall ey (lacht). Ne, das hätte auch ohne die Pandemie funktioniert, ich hätte gerne mehr Stress gehabt. Ich finde Stress oft angenehmer. Es gibt negativen Stress, so wie einen Umzug, das ist beschissen. Aber Stress wegen Mucke ist geil!

Du hast ja jetzt schon einige EP’s veröffentlicht, was hat sich für dich bei der Arbeit an einem Album von der Arbeit an einer EP unterschieden?
Eine EP ist ja eher ein Sammelsurium aus Dingen, die schon bestehen und jetzt bei der Platte wurden die Songs ziemlich an einem Stück geschrieben. Auch, dass das Thema Scheitern irgendwie darüber schwebt, macht es mehr zu einem Gesamtwerk.

Du bist zwar in Deutschland aufgewachsen, aber hast dich trotzdem dazu entschieden englische Musik zu machen. Wie kam es dazu?
Ich glaube, weil ich nur englischsprachige Musik höre, jedenfalls größtenteils. Jetzt stellt sich die Frage schon manchmal, ob deutsche Musik vielleicht auch Sinn machen würde, aber eigentlich kommt das nicht in Frage.

Ist es dir von Anfang an leicht gefallen auf englisch zu schreiben?
Keine Ahnung, ich hab’s nie anders gemacht!

Du hast ja gerade schon gesagt, dass die Beatles eine große Inspiration für dich waren, gibt’s da noch andere englische Künstler:innen, die für dich früher oder heute eine große Rolle spielen oder gespielt haben?
Ja safe! Ich höre sehr viel Musik, sehr viel verschiedene. Ich fand Oasis schon immer super, ich mag aber auch Kanye West oder Bob Dylan total. Ich probier‘ das alles ein bisschen unter einen Hut zu bekommen, das hat alles irgendwo seinen Platz und ist cool, wenn die Einflüsse irgendwo zusammen kommen.

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Mit deinem Song Terrace, auf dem du mit Boy Pablo einen international erfolgreichen Künstler zu Gast hast, konntest du bereits die ersten Schritte in das Rampenlicht außerhalb von Deutschland machen. Planst du irgendwann weitere internationale Erfolge feiern zu können?
(Ironisch) Ja ne, hab ich gar keinen Bock drauf (lacht), ich will in Deutschland, am liebsten nur in Sachsen spielen! Ne, wär natürlich schön, wenn wir auch außerhalb von Deutschland spielen, erstmal Europa und dann gern überall. Das wär schön, ja!

Wie war die Zusammenarbeit mit Boy Pablo für euch beide? Was konntet ihr vom jeweils anderen mitnehmen?
Sehr sweet! Sehr sweeter Dude, sehr liebenswerter Boy auf jeden Fall! Sehr schade, dass wir das halt nicht face to face machen konnten, aber wir haben im Zuge dessen ganz viel gefacetimed und uns kennen gelernt und das war total schön.

Es war ja auch das erste Mal, dass du einen Feature-Gast zu Besuch hattest, war es einfach für dich, da auch etwas die Kontrolle anzugeben?
Hab ich ja nicht wirklich gemacht, weil wir ja die ganze Zeit im Austausch waren. Deshalb hatte ich da kein Problem mit, eher anders rum, ich hab mich mega gefreut als sein Part endlich da war und ich dann seine Stimme auf dem Song hören konnte. Ich fand’s mega interessant und ich glaube ich will das auch noch öfter mit verschiedenen Künstler:innen machen.

Dein Album ist ziemlich persönlich, das kommt unter anderem durch Stücke wie Absence oder Calm me down, fällt es dir leicht über private Emotionen zu schreiben oder gehört da eine gewisse Überwindung zu?
Ich glaube das wär nochmal ein anderes Thema, wenn ich’s auf Deutsch machen würde. Ich schreibe sehr introspektiv, das hilft aber auch mit dem ganzen Scheiß klarzukommen. Und entweder die Hörer:innen finden es cool oder halt nicht.

Was sind deine weiteren Pläne für die Zeit, nachdem das Album veröffentlicht wurde?
Ich plane auf jeden Fall viel live zu spielen und mein neues Album aufzunehmen!

Schreibst du schon dran?
Es ist fast fertig!

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