Kritik The Tragedy Of Macbeth

Veröffentlicht am 12.01.2022 | von Patrick Freitag

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THE TRAGEDY OF MACBETH – Filmkritik

The Tragedy Of Macbeth

„Come what come may.“

(Macbeth)

The Tragedy of Macbeth sollte dem einen oder anderen Englisch-LK-Schüler bestens bekannt sein, ebenso wie eine der unzähligen Verfilmungen, die es bereits über den Klassiker von William Shakespeare gibt. Nun erblickt eine gleichnamige Neuverfilmung  auf Apple TV+ das Licht der Welt und erzählt die klassische Geschichte von MacBeth, dessen Weg König von Schottland zu werden und seinen anschließenden Verfall. 

Der Regisseur ist mit Joel Coel dabei ein alter Bekannter. Neu ist jedoch, dass Joel die Regie ohne seinen Bruder Ethan führt, was nach unzähligen Zusammenarbeiten in den letzten Jahrzehnten tatsächlich das erste Mal ist. Unterstützt wird er dabei von einem sehr starken Cast, so werden MacBeth und dessen Frau Lady MacBeth von Denzel Washington und Frances McDormand gespielt. Aber auch Brendon Gleeson, Corey Hawkins und Harry Melling dürften einige vertraute Namen sein. 

Wer Schauspiel mag, der wird mit diesem Film seine Freude haben, den The Tragedy of Macbeth ist weniger Film als Theaterstück. Joel Coel schafft es eindrucksvoll Theater auf die Leinwand zu bringen und dabei trotzdem das Medium Film nicht zu vergessen. Nach einem einführenden Monolog mit einer Schwarzblende, erinnert der erste Ton des Films an das Geräusch, wenn Scheinwerfer eingeschaltet werden, trotzdem schwebt die Kamera von oben auf die erste Szene, welche eher an Eröffnungen aus manchen Filmen erinnert. Im Fokus sind immer die Schauspieler und auch das Set erinnert mehr an ein Theater, als ein Filmset. So sind diese oft sehr minimalistisch, manche Hintergründe sind aufgemalt und manche Sets wirken, als wären sie aus Holz, jedoch nie billig oder fehlplatziert, sondern immer stimmig. 

Das liegt vor allem an der Fokussierung auf das Schauspiel. Wie im Theater, steht der einzelne Schauspieler in jeder Szene im Fokus. Jeder Monolog, oder Dialog beeindruckt durch die Gestik und Sprache der Schauspieler. Allen voran Denzel Washington, der in den letzten Jahren oft eher lustlos gewirkt hat, scheint hier richtig Lust gehabt zu haben und es würde mich nicht wundern ihn auf der Liste der Nominierten für die nächsten Oscars zu sehen. Allerdings überzeugt hier auch wirklich jeder Schauspieler und man merkt allen richtig an, dass sie Spaß an der Produktion hatten. 

Unterstützt wird das Schauspiel vor allem durch die anfänglich erwähnte Fokussierung auf den Schauspieler. Die Kamera fängt, vor allem bei Monologen, oft die Totale des Schauspielers ein und lässt ihn in dieser einfach machen. Trotzdem wirkt der Film nicht, wie das bloße Aufnehmen eines aufgeführten Theaterstückes. Die Kamera wechselt immer wieder auch die Perspektive und damit entstehen einige der besten Übergänge der Filmgeschichte. Während auf den Bühnen erstmal eine Pause entsteht, in der das Set umgebaut wird, schafft Joel Coel hier immer wieder einige Bilder, die fließend in neue Szenen übergehen. So wird z.B. durch Rauch aus dem Feuer eines brennendes Hauses, direkt in den Nebel eines Waldes übergegangen, ohne einen sichtbaren Schnitt zu erzeugen. Dies geschieht zwar nicht immer so klug, sticht jedoch öfter hervor. Unterstützt werden diese Übergänge vor allem durch die Farbgebung des Films. Der gesamte Film ist nämlich in schwarz/weiß, so dass aufgrund der Farbtöne derartige Übergänge erleichtert werden. 

Durch seine Inszenierung und dem Schauspiel wird einem bewusst, was Film neben dem ganzen Blockbuster-Kino auch sein kann. Kunst! Das lässt einen auch über die teilweise etwas sperrige Sprache, welche sich sehr an das Shakespeare-Drama orientiert, hinwegsehen, die zumindest mich öfter mit einem Fragezeichen zurückgelassen hat. Der Film ist damit sicher nicht für jeden etwas, aber wer anspruchsvolles Kino oder klassisches Theater mag, der sollte sich The Tragedy of Macbeth unbedingt ansehen!

Joel Coel schafft mit seiner Vision von The Tragedy of Macbeth einen eigenen Hybrid zwischen Theater und Film, der trotz all der vorangegangenen Verfilmungen seinen ganz eigenen Platz in den bisherigen Inszenierungen finden wird. Anhänger von guten Schauspiel werden hier ihre wahre Freude haben, aber auch Verfechter von visueller Darstellung könnten ihren Spaß haben. The Tragedy of Macbeth ist auf jeden Fall eines: Sehenswert! 

The Tragedy of Macbeth (US 2021)
Regie: Joel Coen
Darsteller: Denzel Washington, Frances McDormand, Brendan Gleeson, Alex Hassell, Kathryn Hunter, Bertie Carvel
Heimkino-VÖ: 14. Januar 2022, Apple TV+

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