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Veröffentlicht am 25.05.2022 | von Lennart Brauwers

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FLUME – Palaces


Foto-© Nick Green

Die Geschichte geht wie folgt: Nachdem Flume, einer der angesehensten Produzenten elektronischer Musik und bewiesener Anilingus-Liebhaber (ein zu lustiger Fakt, um ihn hier auszulassen), zu Beginn der Pandemie in seine ursprüngliche Heimat Australien zurückkehrte, dehnte sich seine Faszination für die dortige Pflanzen- und Tierwelt aus. Vor allem Vögel hatten es ihm aus irgendeinem Grund angetan, wie auch auf dem farbvollen Albumcover zu sehen ist. Schnell stellte er fest, dass die australische Natur eine viel stärkere Inspiration als die vollgestopfte Dichte von Los Angeles sein kann (was für eine Überraschung), also fokussierte er sich auf die vielfältige Schönheit seiner Umwelt und nahm sie als Grundlage für seine neue Platte Palaces. Schönes Narrativ, oder nicht?

Lieder klingt das Album nur teilweise nach dem, was diese Geschichte verspricht. Klar, vielfältig ist Palaces allemal, mit seiner Bandbreite von Filmmusik-ähnlichen Klavierpassagen (Jasper’s Song) über blubbernde Death-Grips-Bässen (Get U) bis zu einer überraschend befriedigenden Mischung aus Dubstep und ätherischem Fantasy-Gesang (Sirens). Aber schön? Nicht immer…

Man nehme beispielsweise den ziemlich unangenehmen Song Only Fans, der so klingt, als würde ein zugekokstes Model wie M.I.A. klingen wollen. Nur selten war ich mir so schnell sicher, dass ich einen Track nie wieder hören will. Ähnliches gilt für Say Nothing, dessen Gesangsmelodie zwischendurch etwas zu sehr wie Daylight in Your Eyes von den No Angels klingt. Das ist bestimmt nicht beabsichtigt, aber trotzdem unsympathisch.

Zerhackte Synth-Melodien, kurz aufpoppende Soundeffekte, scheinbar zufällig platzierte Drums: Fachmänner elektronischer Tanzmusik nennen das wohl Future-Bass, Wonky oder Glitch-Hop. Doch für mich klingt das Ganze vielmehr wie unentschlossener EDM oder eine weniger mutige Version des Hyperpop von 100 gecs. Trotz vieler guter Momente (vor allem im Opener Highest Building und in Hollow) wirken einige Gesangsperformances etwas uninspiriert oder sind gar nervig. Irgendwann helfen da auch die elektronischen Klangspektakel nicht mehr.

Flume – Palaces
VÖ: 20. Mai 2022, Transgressive Records
www.flumemusic.com
www.facebook.com/flumemusic

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