Kritik

Veröffentlicht am 6.09.2022 | von Malte Triesch

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MONSTROUS – Filmkritik


Foto-© capelight pictures

My son said he saw something down by the pond.

(Laura – Monstrous)

Laura (Christina Ricci) flieht mit ihrem Sohn Cody (Santino Bernard) zu einem idyllischen Landhaus am See um ihrem Leben und besonders ihrem Ex-Ehemann zu entgehen. Nicht genug damit, dass beides sie einzuholen scheint, birgt auch noch der See ein Geheimnis, das ebenso düster ist, wie das Leben, dem sie zu entfliehen versuchen.

Das 60er Jahre Setting, Christina Ricci, Genre-Fans bekannt vor allem durch die Adams Family-Filme und Sleepy Hollow, ein wenig Lovecraft Vibes und ein Dämonen Design, das zwar generisch aber gelungen ist, verheißen eine kleine Horrorperle. Diese liefert Regisseur Chris Sivertson (u.a. All Cheerleaders Die) leider nur bedingt ab. Die 60er sind gut eingefangen und nicht nur schön anzusehen, sondern relevant für den Plot. Das Leben einer allein erziehenden Frau war in dieser Periode schließlich noch wesentlich schwieriger als heutzutage. Leider sehen wir hiervon jedoch etwas zu wenig und das dann auch noch größtenteils etwas zu klischeehaft. Ricci wiederum ist über fast die gesamte Laufzeit gefangen in ihrer Rolle als Bilderbuch-Mutter und Schönheit, entsprungen aus den Werbeanzeigen dieser Periode. Auch das ist plotrelevant und konsequent umgesetzt, aber die echte Gefühlswelt hinter der Fassade von Laura wird dem Zuschauer fast komplett vorenthalten. Es fehlt dem Kammerspiel an glaubwürdigen Dialogen oder zumindest Monologen, die uns Risse in der Fassade aufzeigen oder zumindest erahnen lassen, was genau eigentlich vorgefallen ist. So liegt es wohl weniger an schauspielerischem Unvermögen, sondern einem schwachen Script, das sowohl Laura als auch Cody sehr eindimensional bleiben. Bleibt noch das unbekannte Grauen, zunächst schemenhaft angedeutet, dann leider viel zu früh und komplett ausgeleuchtet in all seiner CGI Pracht. Inkonsequent vom Design und ohne nachvollziehbare Wirkung auf die Personen oder den Plot.

Monstrous ist kein wirklicher Horrorfilm, müsste er aber sein, denn für ein Drama sind die Figuren einfach zu blass. Das klingt jetzt negativer als es ist. Denn auf der Reise in die 60er gibt es viele angenehm unbehagliche Szenen, schöne Bilder und eine solide Performance einer Ausnahme-Schauspielerin in Form von Christina Ricci. Das Ende reißt dann auch noch einiges raus und macht den Film zumindest für Genre-Fans sehenswert. Wobei man nicht nur Fan des Genres Horror, sondern definitiv auch Drama sein sollte.

Monstrous (USA 2021)
Regie: Chris Sivertson
Besetzung: Christina Ricci, Santino Bernard
Heimkino VÖ: 2. September 2022, capelight pictures

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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