
Foto-© Plaion Pictures
I like the way you pick up the bill.
(Lucy – Materialists)
Lucy (Dakota Johnson) ist eine Matchmakerin. Ihre Kund:innen suchen mehr oder weniger bewusst nicht die große Liebe, sondern kommen mit einem Kriterienkatalog für den Wunschpartner. Wobei der Großteil der Kriterien materiell oder zumindest optisch sind. Kühl bewertet sie den Marktwert all ihrer Kunden, wie es früher deutsche Autohändler anhand der „Schwacke-Liste“ getan haben, die Älteren unter uns erinnern sich. Daher ist es nicht ganz korrekt von einer „Dreiecksbeziehung“ zu reden, wenn sie zwischen ihrem arbeitslosen, verträumten, charmanten und gutaussehenden Schauspieler-Exfreund John (Chris Evans) und dem reichen, ebenfalls charmanten und nur leicht weniger gutaussehenden Harry (Pedro Pascal) hin und her schwankt. Denn sie schwankt weniger selbst, als dass sie ihren Marktwert höher als John und niedriger als Harry schätzt, weshalb sie nicht mit ersterem zusammen sein will und nicht glaubt, dass letzterer wirklich mit ihr zusammen sein möchte.
Als Publikum ist uns klar, für wen sie sich entscheiden sollte oder doch nicht? Denn Pedro Pascals Charme und dem auf der Leinwand dargestellten Wohlstand zu widerstehen ist gar nicht so einfach. Wem man zunächst recht leicht widerstehen kann, ist hingehen Dakota Johnson. Denn ihre kühl berechnende Art, mit der sie an Beziehungen herangeht, wirkt zunächst so romantisch wie die Liebesbeziehung von Hank Rearden und Dagny Taggart in Atlas Shrugged aus 1957 oder mit einfacheren Worten, gar nicht bzw. rein transaktionell. Regisseurin Celine Song beweist dabei auch insgesamt wieder ein fantastisches Händchen dafür, genau diese Leere auf die Leinwand zu bringen. Die Bilder, die Farben, die Szenerien, alles ist pompös und wunderschön, aber über die ersten zwei Drittel spielt nahezu kein Soundtrack und man spürt einfach, dass das Gefühl nicht da ist, bzw. die Gefühle keine Rolle spielen. Ein Fakt, den das Marketing zu Recht und gekonnt überspielt. Pedro Pascal so zu inszenieren, dass man sich nicht in ihn verliebt, ohne dass er irgendwas wirklich falsch macht, ist wohl das größte Kompliment, das man ihr für ihre Inszenatorik machen kann. Denn die emotionale Kühle ist so subtil, das man kaum merkt warum man ihm nicht verfällt.
Schon in Past Lives (2023) inszeniert sie eine außergewöhnliche Liebes / Nicht-Liebesgeschichte gekonnt und teilweise basierend auf persönlichen Erlebnissen und genau das gelingt ihr auch hier, wenn auch mit leicht geringerem Ergebnis. Denn lange vor ihrer filmischen Karriere arbeitete sie genau in dem Job, den Lucy hier innehat und man spürt, dass sie Kritik daran üben möchte und diese fundiert auf die Leinwand bringt. Somit muss jedem klar sein, dass dies keine klassische Romcom und das Gezeigte über weite Strecke durchaus unangenehm anzusehen ist.
Die Auflösung ist dann zwar nicht ganz ohne Kitsch, aber durchaus realistisch genug, um das Arthouse Label noch hochzuhalten. Wenn dann irgendwann doch der Soundtrack aufspielt, atmet man erleichtert auf, endlich wieder ein paar ehrliche Gefühle sehen zu dürfen. Das hebt den Film zwar weit über Atlas Shrugged, er bleibt jedoch ebenso weit hinter dem Erbeben eines Past Lives zurück. Dafür ist alles dann doch etwas zu schick und geht zu gekonnt auf. Eine solide Geschichte, die durch eine Ausnahme-Regisseurin und ein fantastisches, zentrales Schauspieler-Trio über den Durchschnitt gehoben wird. Nur so richtig funken tut es zwischen keinem und wird es auch bei euch nicht.

Materialists (US GN FI 2025)
Regie: Celine Song
Darsteller: Dakota Johnson, Chris Evans, Pedro Pascal, Zoe Winters
Heimkino-VÖ: 20. November 2025, Plaion Pictures

