BUCK MEEK – The Mirror


Foto-© Daniel Arnold

We lay in silence through the morning
Until language slowly started forming
She hummed a lullaby
I recognized from when I was a newborn

(Buck Meek – Gasoline)

Mit Gasoline eröffnet Buck Meek sein viertes Soloalbum The Mirror leise, aber bestimmt. Eine federnde, fast westernhafte Gitarrenrhythmik trifft auf mehrstimmigen Backgroundgesang, der dem Song eine warme Weite verleiht. Trotz seiner Zurückhaltung strahlt der Opener eine Energie des Aufbruchs aus – als würde hier jemand vorsichtig eine neue Perspektive betreten. Die Erinnerung an frühen Trost, die im Text anklingt, verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf behutsame Weise.

The Mirror, Meeks zweites Album bei 4AD, entstand in enger Zusammenarbeit mit Produzent James Krivchenia. Nach einem Jahrzehnt gemeinsamer Arbeit bei Big Thief suchten die beiden nach einer Verbindung aus Live-Energie und erweiterten klanglichen Möglichkeiten. Elektronische Texturen sollten nicht dominieren, sondern den organischen Bandsound vertiefen. Die Songs wurden größtenteils live eingespielt, während modulare Synthesizer und elektronische Geräte parallel angesteuert wurden – eine Arbeitsweise, die dem Album seine besondere, zweischichtige Atmosphäre verleiht.

Pretty Flowers bleibt akustisch verwurzelt. Sanfte Keyboardflächen, leicht versetzte Drums und mehrstimmige Gesangspassagen erzeugen eine offene, beinahe gemeinschaftliche Stimmung. Meeks Interesse an Perspektivwechseln wird hier hörbar: Vertrautes erscheint leicht verschoben, ohne seine Wärme zu verlieren. In Can I Mend It? rückt die Frage nach Verantwortung und persönlicher Entwicklung ins Zentrum. Ein Gesangs-Sample zu Beginn legt eine fragile Stimmung über den Song, bevor Meek mit spürbarer Selbstreflexion singt: “Last night I lost my temper and punched the wall / I think I broke a finger and broke your heart.“ Beziehungen erscheinen hier nicht als feste Konstrukte, sondern als Prozesse, die ständige Auseinandersetzung verlangen.

Worms arbeitet mit Sprechgesang und einem leicht vertrackten Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug, während Soul Feeling die E-Gitarren aufheulen lässt – ruhig, aber mit Nachdruck und melancholischem Schwung. Immer wieder tauchen im Album Motive von Spiegelung, Selbstgespräch und innerem Dialog auf. Der Titel The Mirror wird dabei nicht zur Selbstbespiegelung, sondern zur Einladung, genauer hinzusehen – ohne vorschnelle Antworten zu liefern.

Auch im Schlusstrack Outta Body bleibt Meek dieser Haltung treu. Wenn er singt: “Let myself feel it, I’ll try to keep it / For the times when I’m happy / For the times when I’m sad“, wirkt das weniger wie eine große Geste als wie ein stiller Entschluss. Das Album endet nicht mit einer Auflösung, sondern mit Offenheit.

The Mirror stellt nicht die Antworten in den Mittelpunkt, sondern die Bedeutung guter Fragen. Buck Meek verbindet organische Bandwärme mit subtilen elektronischen Erweiterungen und poetischer Selbstbeobachtung. Es ist ein Album, das Nähe sucht, ohne sie zu erzwingen – reflektiert, aber nie verkopft.

Buck Meek – The Mirror
VÖ: 27. Februar 2026, 4AD
www.buckmeekmusic.com
www.facebook.com/buckmeeksongs

Buck Meek Tour:
28.03.26 Gut Bennigsen, Springe
29.03.26 Neue Zukunft, Berlin

YouTube Video

Robert Heitmann

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