PUMA BLUE – Croak Dream


Foto-© Liv Hamilton

Should you leave
You’d leave me with a taste to mourn
Drink up all my time
Love, I know you need release
So fine
Come be my desire

(Puma Blue – Croak Dream)

Mit Croak Dream stellt sich Puma Blue – aka Jacob Allen – einer Frage, die schwerer wiegt als jede Genrezuordnung: Was wäre, wenn wir wüssten, wie und wann wir sterben? Das Album, benannt nach einem Traum, in dem sich der eigene Tod ankündigt, kreist um genau dieses Wissen – und um das, was daraus folgt: Begehren, Angst, Nähe, Mut.

Schon der Opener Desire zieht die Hörer*innen in eine wohlig gespannte Zwischenwelt. Vertrackte, Radiohead-nahe Beats, gedämpfte Synth-Akkorde und ein beinahe vertracktes Schlagzeug schaffen eine laid-back Atmosphäre, unter der ständig Unruhe brodelt. Wenn Allen singt “We could plead before we turn to stone“, wird schnell klar: Hier geht es nicht um Zurückhaltung, sondern um das bewusste Zulassen von Dringlichkeit – emotional wie klanglich.

Mister Lost verschärft den Ton deutlich. Klirrendes Geräusch zu Beginn, druckvolle, bedrohlich pulsierende Elektronik und ein sprechgesangartiger Vortrag zeichnen das Porträt eines Mannes im inneren Fluchtmodus. Die Zeile “What are you escaping from?“ wirkt weniger wie eine Frage als wie ein Vorwurf, der im Raum stehen bleibt.

Mit Hold You öffnet sich das Album erneut: federleichtes R’n’B-Flair, geschichtete Vocals, weiche Harmonien – doch Puma Blue unterläuft die Entspannung konsequent mit scharf verzerrten Synths, Gitarren-Einschüben und kurzen Tremolo-Momenten, die den Song immer wieder aus dem Gleichgewicht kippen lassen. Nähe ist hier nie ohne Reibung zu haben.

Der Titeltrack Croak Dream entfaltet schließlich das emotionale Zentrum der Platte. Geisterhafte Ambient-Flächen, elektronische Texturen und Allens fragile Stimme bauen sich langsam zu einem kathartischen Moment auf, der Gänsehaut nicht erzwingen will, sondern zulässt. Spätestens bei “This is the death of whatever it was“ wird klar, dass Abschied hier auch Befreiung bedeutet. Einen stillen Rückzugsort bietet dann noch Cocoons: ein 3:39-minütiges Innehalten, schwebend und intim, aber nie ganz ruhig – selbst im Trost bleibt ein leichtes Zittern.

Croak Dream ist ein Album, das Risiko nicht scheut und Gefühl über Präzision stellt. Puma Blue gelingt eine dichte, mutige Weiterentwicklung, die Trip-Hop, elektronische Experimente und Songwriter-Intimität organisch zusammenführt – ein Werk, das lange nachhallt.

Puma Blue – Croak Dream
VÖ: 6. Februar 2026, PIAS
www.pumablue.com
www.facebook.com/pumabluemusic

Puma Blue Tour:
14.05.26 München, EVIL / LIVE
19.05.26 Berlin, Gretchen

YouTube Video

Robert Heitmann

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