THE GREEN APPLE SEA – Dark Kid


Foto-© Nic Knelleken

Oh, I know this now
it‘s all about love
making someone else’s life
a little bit better

(The Green Apple Sea – You Got This)

Dass er/sie ein „dark kid“ war und „so fucked up“ und „just waiting to die“ – das würden die allermeisten SongwriterInnen im Tonfall tiefer Verzweiflung erzählen oder sogar mit suizidverdächtiger Düsternis in der Stimme. Nicht so Stefan Prange, Frontmann der traditionsreichen Nürnberger Band The Green Apple Sea. Für sein Lied I Was A Dark Kid findet er eine der schönsten, zartesten, freundlichsten Melodien im oft beschwerlichen Diesseits, erzählt von seiner zeitweise – auf gut Deutsch… – ziemlich beschissenen Jugend so unaufgeregt, fast beschwingt, dass man sich gleich weniger Sorgen um den Musiker macht.

Dass sein Vater ein recht schlimmer Finger mit dem Schimpfnamen „Satan“ („That’s How You Called Him When I Was Small“) und er selbst als Kind „ziemlich im Arsch“ war, besingt Prange in den ersten Songs des ersten TGAS-Albums seit acht Jahren, das unter dem Titel Dark Kid neun thematisch locker verbundene Episoden und ein Cover von der neuseeländischen Band The Jean-Paul Sartre Experience (I Like Rain) zusammenführt. Der Nachfolger der ebenfalls beim Dresdner Label K&F erschienenen, ebenfalls sehr guten Alben Northern Sky, Southern Sky (2010) und Directions (2018) ist also eine Art Konzeptalbum – aber keines der prätenziösen, überkandidelten Sorte, wie man sie aus dem Art- oder Prog-Rock kennt.

Und, wie schon angedeutet: Diese Platte suhlt sich nicht in schlechten Erinnerungen und negativen Gefühlen – das würde schon aufgrund dieser muckelig warmen, strahlenden Harmonien und hauchfeinen Arrangements der zehn Lieder nicht funktionieren, die man wohl am besten dem Songwriter-Pop, der Americana oder dem Folkrock zurechnet. „Es geht auf ‚Dark Kid‘ eben gerade nicht darum, das Publikum Kindheitstraumata oder Depression spüren zu lassen“, heißt es in der K&F-Info. „Es geht darum, Traurigkeit in Melancholie zu verwandeln, Bitterkeit in Achselzucken, Wut in eine ausgestreckte Hand.“ 

Dabei ist ein musikalisch absolut zeitloses, in sich ruhendes und beruhigendes Werk entstanden, und das erhöht den Nutzwert dieser noblen, gefühlvollen Lieder noch zusätzlich. Am Ende, im hymnisch ausufernden You Got This, konstatiert Prange, dass es letztlich doch vor allem darum geht, das Leben anderer Menschen ein bisschen besser zu machen. Mission accomplished – denn das schaffen der Gründer von The Green Apple Sea (vor fast 30 Jahren, damals als deutscher Americana-Musiker ein echter Exot) und seine Band-Buddys auch mit Dark Kid wieder lässig.

Großen Anteil daran haben die prächtigen Harmony-Gesänge (Stefan Prange, Lena Dobler, Drummer Michael Kargel, Produzent/Keyboarder Christian Ebert und noch einige Studiomusiker mehr) sowie die dichte, geschmackssichere Produktion. Diese Platte „will sich nicht aufdrängen, aber die darauf enthaltenen Lieder kann Prange viele hundert Mal singen, ohne ihrer überdrüssig zu werden“, schreibt K&F. Das trifft sich gut, denn derzeit sind The Green Apple Sea mit den Songs von Dark Kid (und natürlich auch älteren Stücken) auf Club-Tournee. Termine siehe unten – sollte man sich nicht entgehen lassen.

The Green Apple Sea – Dark Kid
VÖ: 20. Februar 2026, K&F Records
https://kfrecords.de/news/preorder-the-green-apple-sea-dark-kid
www.facebook.com/thegreenapplesea

The Green Apple Sea Tour:
21.02.26 Köln, Die Wohngemeinschaft
26.03.26 Haselünne, Hasetor Kino
27.03.26 Grevenbroich, Cafe Kultus
28.03.26 Ankum, Kulturhaus
29.03.26 Münster, Pension Schmidt
01.04.26 Berlin, Schokoladen
03.05.26 Offenbach, Hafen 2

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Werner Herpell

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