
Foto-© Ellika Henriksson
Accept who you have become
Where you’re from
All things set
All things gone
(José González – Against The Dying Of The Light)
Mit Against The Dying Of The Light veröffentlicht José González sein fünftes Soloalbum und gleichzeitig sein erstes neues Werk seit Local Valley (2021). Schon der Titel deutet an, dass der schwedisch-argentinische Songwriter den Blick diesmal stärker nach außen richtet. Wo sein Vorgänger vor allem persönliche Perspektiven und Sprache erkundete, beschäftigt sich das neue Album mit größeren Fragen: dem Einfluss von Technologie, gesellschaftlichen Entwicklungen und der Suche nach Menschlichkeit in einer zunehmend automatisierten Welt.
Musikalisch bleibt González seinem reduzierten, fingergepickten Folk treu, erweitert das Klangbild jedoch spürbar. Gleich das eröffnende A Perfect Storm baut mit rhythmischem Fingerpicking eine unterschwellige Spannung auf, die den Songtitel hörbar macht. Die Gitarrenfigur wirkt vorantreibend und unruhig, während González’ sanfte Stimme zunächst fast das Gegenteil verspricht, bevor Zeilen wie “Forces from the sidelines / Pushing for a race against time“ die unterschwellige Bedrohung offenlegen.
Der Titelsong Against The Dying Of The Light schlägt dann eine andere Richtung ein. Statt filigraner Patterns dominiert ein gleichmäßiges Strumming, das dem Stück eine größere Dynamik verleiht. Mehrstimmige Backing Vocals verstärken den hymnischen Charakter, ohne die typische Zurückhaltung seines Sounds aufzugeben. Auch Losing Game wirkt musikalisch antreibender als vieles auf früheren Alben, beinahe unruhig, als wolle der Song die im Text beschriebene Unsicherheit hörbar machen.
Zu den schönsten Momenten gehört Ay Querida, das mit warmen Flamenco-Anklängen und ruhigen Gitarrenläufen eine fast sommerliche Gelassenheit ausstrahlt. Hier zeigt sich einmal mehr, wie stark González’ Einflüsse über den klassischen Folk hinausgehen. Ähnlich vielschichtig wirkt Gymnasten, das mit zweistimmigem Gesang, gesprochenen schwedischen Passagen und wechselnden Gitarrenfiguren zwischen Leichtigkeit und Nachdenklichkeit pendelt.
Thematisch zieht sich durch das gesamte Album die Frage, wie viel Fortschritt dem Menschen guttut und wo Widerstand nötig ist. González verbindet diese Überlegungen mit seiner typischen “Trojaner“-Ästhetik: schwere Inhalte, verpackt in sanfte Melodien. Gerade dadurch entfalten die Songs ihre Wirkung erst nach und nach.
Against The Dying Of The Light ist kein lautes Album, aber ein eindringliches. Es fordert Aufmerksamkeit, ohne sie einzufordern, und erinnert daran, dass Folk noch immer ein geeignetes Mittel sein kann, um über Gegenwart und Zukunft nachzudenken.

José González – Against The Dying Of The Light
VÖ: 27. März 2026, City Slang
www.jose-gonzalez.com
www.facebook.com/josegonzalezmusic
José González Tour:
25.05.26 Münster, Theater
26.05.26 Dresden, Beatpol
27.05.26 Hamburg, Mojo
18.11.26 München, Muffathalle
20.11.26 Berlin, Columbiahalle
21.11.26 Frankfurt, Zoom

