ROBYN – Sexistential


Foto-© Casper Sejersen

The silence gives it all away
Like nothing’s ever going to be the same again
Tied up under your duvet
You’re mid performance I´m planning my escape
Dedicated til the end
Right there when you call my name
I want to swallow but it ain’t the same
This is how it feels, is it really real
Tell me how you feel

(Robyn – Really Real)

Nach über sieben Jahren kehrt Robyn nicht einfach zurück. Sie verschiebt ihr eigenes Koordinatensystem. Heute erscheint ihr neuntes Album Sexistential via YOUNG – und was die Vorabsingles versprochen haben, hält die Platte ziemlich souverän ein.

Das hier ist kein nostalgischer Rückgriff, kein Body Talk reloaded. Klar, die Referenzen sind sofort da – diese glitzernden Synths, diese Dringlichkeit. Aber nach dem weichen, fast schwerelosen Honey (2018) wirkt das neue Album der schwedischen Pop-Ikone deutlich fokussierter, kühler, manchmal fast klinisch. Analyse statt Euphorie. Gefühle werden nicht mehr einfach rausgelassen, sondern seziert, gedreht, von allen Seiten angeschaut.

Entstanden ab 2020, mitten in der Pandemie, arbeitete Robyn wieder eng mit Klas Åhlund zusammen, dazu kommen Max Martin und Joe Mount. Das hört man: Die Songs sind kompakt, klar gebaut, oft fast schon knapp. Keine überflüssigen Wege, kein Verlaufen im Gefühl – eher präzise gesetzte Peaks. Inhaltlich kommt das Album aus einer Phase, in der sich bei Robyn ziemlich viel verschoben hat: Trennung, Neuausrichtung, die Entscheidung für ein Leben als alleinerziehende Mutter. Und genau diese Neuordnung spürt man überall. Es geht weniger um romantische Verschmelzung als früher, mehr um Eigenständigkeit, um Körper, um Nähe ohne klassische Narrative.

Die Single Dopamine ist dabei der offensichtlichste Schlüssel. Der Track rauscht nach vorne, aber Robyn hält ihn gleichzeitig auf Distanz. „It’s just dopamine“ – dieser Gedanke zieht sich durch alles: Was bedeutet ein Gefühl noch, wenn man genau weiß, was im Körper passiert? Und warum fühlt es sich trotzdem so extrem an?

Andere Tracks gehen das Thema aus anderen Richtungen an. Sexistential (der vielleicht programmatischste Moment der Platte) spielt mit der Trennung von Sex, Fortpflanzung und klassischer Beziehungsidee – trocken, fast lakonisch vor einem 80er-Jahre House-Beat. Really Real kippt dagegen mitten aus einer intimen Situation in einen emotionalen Bruch, ohne großes Drama, eher wie ein abruptes Klarwerden. Und Sucker for Love fühlt sich fast wie ein Throwback an: schneller, direkter, fast schon verspielt. Aber mit einem Unterton, der deutlich macht, dass hier niemand mehr naiv ist.

Überhaupt: Viele Songs bauen Spannung auf, ohne sie komplett aufzulösen. Die Beats drücken, die Synths flirren, aber die große Katharsis bleibt oft aus oder kommt anders als erwartet. Und genau das ist vielleicht die größte Stärke von Sexistential. Das Album versucht nicht, die Liebe zu entzaubern oder Gefühle wegzuerklären. Es zeigt eher, dass beides gleichzeitig geht: verstehen und fühlen.

Robyn – Sexistential
VÖ: 27. März 2026, YOUNG
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