
Foto-© Jeton Bakalli
Say you wanna party, come over to my house
There’s no high like my body, no, you can’t live without
Say you wanna party, come over to my house
There’s no high like my body, no, you can’t live without
Say you wanna
They don’t wanna party
They don’t wanna party
They don’t wanna party
I can see my house from here
They don’t wanna party
I’m at the, I’m at the front, front
I’m at the front, front
I’m at the front, front
I’m at the, I can’t back up, bitch, I’m
I’m at the, I’m at the front, front
I’m at the front, front
I’m at the front, front
(Fcukers – if you wanna party, come over to my house)
Mit Ö legt die Hype-Band der Stunde – Fcukers – ein Debüt hin, das sich nicht wie ein Anfang anfühlt, sondern wie der längst überfällige Höhepunkt einer Entwicklung, die im verschwitzten, flackernden Halbdunkel von New Yorker DIY-Partys begonnen hat. Shanny Wise und Jackson Walker Lewis haben sich über Jahre hinweg ihren ganz eigenen Kosmos aus New Wave, Electroclash und hypermodernem Pop gebaut – und dieses Album ist nun die präziseste, schillerndste und gleichzeitig zugänglichste Version davon.
Schon in den ersten Minuten wird klar: Ö ist kein Album, das sich anbiedert, sondern eines, das zieht. Reinzieht. Der Sound ist maximal körperlich gedacht – Basslines, die sich wie ein Puls durchziehen, synthetische Flächen, die gleichzeitig kühl und euphorisch wirken, und darüber Shanny Wises Stimme, die zwischen distanzierter Coolness und fast verletzlicher Intimität changiert. Man hört die Handschrift von Produzent Kenneth Blume (fka Kenny Beats) sofort: alles ist auf Kante produziert, tight, detailverliebt, ohne jemals steril zu wirken. Die zusätzlichen Eingriffe von Co-Produzent Dylan Brady sorgen punktuell für diese leicht überdrehte, glitchige Energie, die einzelne Tracks ins Unberechenbare kippen lässt. Und der Mix von Tom Norris gibt dem Ganzen genau die Wucht, die man braucht, damit diese Songs sowohl im Club als auch auf Kopfhörern oder gar im Radio funktionieren.
Dabei ist das Spannende an Ö, wie selbstverständlich Fcukers ihre Vergangenheit mitdenken, ohne sich je zu wiederholen. Tracks wie Bon Bon oder Homie Don’t Shake wirken wie bewusst gesetzte Ankerpunkte – sie greifen den rohen, direkten Vibe früherer Releases auf, sind aber klarer strukturiert, größer gedacht. Gleichzeitig öffnen neue Songs wie if you wanna party, come over to my house oder L.U.C.K.Y das Klangspektrum: mehr Raum, mehr Atmosphäre, mehr Mut zur Reduktion, ohne die Energie zu verlieren.
Besonders exemplarisch für das, was dieses Album so stark macht, ist die Fokus-Single Lonely. Inhaltlich bewegt sich der Track auf diesem schmalen Grat zwischen Hypervernetzung und Isolation – ein klassisches Pop-Thema, aber hier neu aufgeladen. Der Text skizziert diese seltsame Leere nach der Party, dieses Gefühl, von Menschen umgeben zu sein und sich trotzdem komplett abgekoppelt/allein zu fühlen. Soundtechnisch übersetzen Fcukers das in eine Produktion, die gleichzeitig treibend und hohl wirkt: ein stoischer Beat, darüber flirrende Synths, die nie ganz auflösen, immer ein bisschen in der Luft hängen. Shanny Wises Vocals schweben darüber fast geisterhaft – nicht ganz greifbar, aber emotional direkt.
Ganz anders, aber genauso stark: if you wanna party, come over to my house. Der Track ist im Kern eine Einladung – aber eine, die mehr bedeutet als nur „lass uns feiern“. Textlich geht es um Räume, die man selbst schafft, um Kontrolle über die eigene Realität, um Community als Gegenentwurf zur anonymen Clubkultur. Musikalisch ist das ein Paradebeispiel für den Fcukers-Sound: minimalistische Drums, ein süchtig machendes Synth-Motiv und ein Hook, der sich sofort festsetzt. Hier zeigt sich auch dieses besondere Gespür des Duos für Dynamik – kleine Verschiebungen, Layer für Layer, bis der Track plötzlich größer wirkt, als er eigentlich ist.
Und dann ist da noch L.U.C.K.Y, vielleicht einer der interessantesten Momente der Platte. Auf den ersten Blick ein klassischer, leicht ironischer Pop-Song über Glück, Zufall und Selbstinszenierung. Doch unter der Oberfläche passiert mehr: Der Text spielt mit der Idee von „Luck“ als Performance – als etwas, das man sich zuschreibt, um Unsicherheiten zu kaschieren. Soundseitig wird das durch eine leicht entrückte, fast schon fragmentierte Produktion gespiegelt, die sich immer wieder aufbaut und wieder zusammenfällt. Hier hört man besonders deutlich den Einfluss von Dylan Brady: kleine digitale Störungen, unerwartete Breaks, die den Song ständig in Bewegung halten.
Was Ö letztlich so überzeugend macht, ist diese Balance: zwischen Club und Kopf, zwischen Ironie und echter Emotion, zwischen Nostalgie und Zukunft. Fcukers zitieren New Wave nicht, sie leben ihn weiter – aber eben in einer Gegenwart, die von Internetkultur, Hyperpop und globaler Vernetzung geprägt ist. Dass sie dabei trotzdem so klar klingen, so fokussiert, ist vielleicht die größte Leistung dieses Albums.
Nach Support-Slots für LCD Soundsystem und Tame Impala, Festivalauftritten von Coachella bis Primavera Sound und einem TV-Debüt bei Jimmy Fallons Tonight Show wirkt dieser Release wie ein logischer nächster Schritt – und gleichzeitig wie ein Sprung. Vom Underground in die globale Wahrnehmung, ohne die eigene Identität zu verlieren. Denn Ö ist kein vorsichtiges Debüt. Es ist ein Statement. Eines, das sagt: Wir sind schon da. Und wir bleiben.

Fcukers – Ö
VÖ: 27. März 2026, Ninja Tune
www.fcukers.net
www.instagram.com/fcukers__
Fcukers live:
27.05.26 Köln, Gebäude 9

