DEATH CAB FOR CUTIE – I Built You A Tower


Foto-© Shervin Lainez

In his search
For the end of the circle
He kept arriving back at the start
Having fell every hurdle

And she tried to make him feel better
But he didn’t wanna feel better
‘Cause he was living for the wandering
His heart like a dead letter

It always seemed he was punching the flowers
Ruminating like a fatalist for hours
With a voice like the sound of slamming doos
In a voice like the sound of slamming doors

(Death Cab For Cutie – Punching The Flowers)

Warum sollten sich Death Cab For Cutie „neu erfinden“, wie es zuletzt hier und da gefordert wurde? Hat diese grandiose Band ja nicht wirklich nötig. Wenn es um die Indierock-Klassiker der Nullerjahre geht, kommt keine ernstzunehmende Kritiker-Bestenliste an ihrem Meisterwerk Transatlanticism (2003) vorbei. Auch zwei Jahre später, als die US-Westküsten-Band um Benjamin Gibbard (und damals noch Chris Walla) offiziell gar nicht mehr Indie, sondern inzwischen zu einem Majorlabel gewechselt war, legte sie mit Plans (2005) eine die Dekade definierende, großartige Platte vor. Danach wurde die Volltreffer-Quote zwar geringer, ein wirklich schwaches Werk haben DCFC (einigen wir uns hier auf diese Abkürzung des Bandwurm-Bandnamens) aber bisher nicht gemacht.

Und, dies gleich mal zur Beruhigung besorgter Fans: Auch I Built You A Tower ist ein Album, das viele alte Anhänger abholen wird. Und vielleicht sogar ein paar neue Interessenten anlocken könnte. Wer sich zum gewohnten, latent melancholischen Sound von Gibbard und seinen jeweiligen DCFC-Mitstreitern (wie im berührenden Opener Full Of Stars) schon länger eine gute Dosis raueren Gitarren- und Krautrock, also mehr verzerrte Klänge und dezenten Krach gewünscht hatte, wird auf dieser Platte bedient (am krassesten im sperrigen Punching The Flowers und in How Heavenly A State). Und solche Kundschaft mag vielleicht sogar bedauern, dass Death Cab For Cutie bei ihren Experimenten zur Neuausrichtung auf halbem Weg stehengeblieben sind.

How Heavenly A State ist derjenige Track, der das Nebeneinander von Band-Tradition und -Fortschritt (alles natürlich immer im DCFC-Rahmen) am klarsten abbildet: Da geht der Riss mitten durch den Song, der mit einem motorischen Bass/Schlagzeug-Groove beginnt und nach knapp zwei Minuten in eine bittersüße Softpop-Melodie kippt, um dann zum noisigen Anfang zurückzufinden. Klingt trotz der vermeintlichen Unentschlossenheit tatsächlich super. Dies gilt direkt danach auch für Trap Door und Riptides, zwei Stücke, bei denen Gibbards weiche Vocals über einem stoischen, an Kraftwerk oder Can geschulten Rhythmus schweben – und dadurch besonders verletzlich wirken.

Das neue DCFC-Label Anti- (nach über 20 Atlantic/Warner-Jahren mithin eine Rückkehr ins Indie-Lager!) konstatiert, bei der Band sei zuletzt ja auch sehr Gegensätzliches passiert. „Das Leben hat Bandkopf Ben Gibbard viel Stoff geboten, den er auf dem neuen Album I Built You A Tower verarbeitet, wie nur er es kann.“ Dazu gehören durchaus erfolgreiche Platten wie das Vorgängerwerk Asphalt Meadows (2022) und gefeierte Shows zum 20-Jährigen der ikonischen Alben Transatlanticism und Plans – aber eben auch das Scheitern von Gibbards zweiter Ehe mit der Fotografin und Tourmanagerin Rachel Demy.

„So mischten sich in die ohnehin reflektive Atmosphäre der Konzerte Gefühle von Trauer und Verlust“, schreibt das Label. Ja, eine gewisse Schwermut, Wut und Hoffnung spiegeln sich wohl auch in diesen elf neuen „Tower“-Songs – was dem Album eine spannende Zwiespältigkeit, wenn nicht gar Zerrissenheit verleiht. Es liegt ziemlich exakt an der Wegegabelung von (geordnetem) Chaos und harmonietrunkener Schönheit. Man darf also auch als langjährger Freund dieser Band gespannt sein, wie die Entwicklung weitergeht.

Death Cab For Cutie – I Built You A Tower
VÖ: 05. Juni 2026, Anti- Records
www.deathcabforcutie.com
www.facebook.com/deathcabforcutie

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Werner Herpell

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