
Foto-© James Kelly
Billy says his heart is true
Billy says he’s beating right through
Do do do do do do do do do do do do do
Billy says his heart is oh so true
Billy says he’s loving you
Billy says he’s leaving her soon
Do do do do do do do do do do do do do
Billy says he’s loving you
Billy says he’s leaving her for you, oh
Sitting down by the river
Just wasting his time
She’s sitting right beside him
And you’re losing your mind
Just give the boy some time
Forever, forever
(Graham Coxon – Billy Says)
Es gibt wohl keine Zweifel, dass die Geschichte der Britpop-Helden Blur von ihrem quirligen Frontmann Damon Albarn geprägt wird – aber, hört man genauer hin, kaum weniger vom Mann daneben, dem unauffälligeren Typen an der E-Gitarre. Auch Graham Coxon hat dieser Band von Anfang an seinen Stempel aufgedrückt mit coolen Riffs und knappen, schrägen Soli. Man muss nur nochmal seine unkonventionellen Ausbrüche auf St. Charles Square hören, einem Song vom bisher letzten, euphorisch gefeierten Album The Ballad Of Darren… wow! Ein Meister seines Fachs – und kein Poser.
Übersehen wird angesichts der vielen Blur-Meisterwerke seit Leisure (1991) nämlich gern, dass Coxon auch als Sänger und Songwriter unter eigener Flagge einiges vorzuweisen hat. Zuletzt lieferte er im Duo The Waeve zusammen mit seiner Partnerin Rose Elinor Dougall zwei starke Artpop-Platten ab. Jetzt nimmt sich das Label Transgressive Records des über drei Dekaden verstreuten Solowerks dieses mittlerweile 57 Jahre alten Briten an – mit Wiederveröffentlichungen und einer Überraschung.
Die heißt Castle Park – eine Platte, die vom Studio-As Ben Hillier produziert und 2011 im Rahmen der Sessions für Coxons immer noch aktuellstes Soloalbum aufgenommen wurde. Ursprünglich als Nachfolger von A+E (2012) geplant, wurde die Veröffentlichung aufgrund der Blur-Aktivitäten im Jahr 2012 (für das erste große Comeback mit The Magic Whip) verschoben, bevor der Gitarrist sich anderen Projekten zuwandte.
Castle Park ist ein Album, wie es sich jeder Fan von Graham Coxons Solowerk (und sicher auch viele Blur-Verehrer) nur wünschen können: zehn melodische, präzise, im Sixties-Mod-Pop oder auch in Beatles– und Kinks-Nähe verwurzelte Lieder, voller Witz und Ironie. Coxon ist nicht der weltbeste Sänger (da hat ihm Albarn einiges voraus), aber für schrullige Preziosen wie Billy Says, das lässig gepfiffene Alright oder das bildhübsche Midtempo-Stück Easy kommt es darauf gar nicht an. Abwechslung wird auch geboten: Dripping Soul hat eine reizvolle Italowestern-Soundtrack-Anmutung mit einer Art Flamenco-Gitarre, Forget Today dockt beim Retro-Soul an, Melodie Pour Christine ist eine sanfte Instrumental-Brise mit Strawberry Fields Forever-Streichern.
Da Coxons bisheriges Solo-Werk „längst vergriffen und auf physischen Tonträgern sehr gefragt“ sei, beginnt laut Transgressive mit Castle Park eine umfassende Neuauflage. Auch The Sky Is Too High (1998) und The Golden D (2000) sind also ab sofort wieder erhältlich. Im Laufe des nächsten Jahres werden die Studioalben von Crow Sit On Blood Tree (2001) bis A+E (2012) sowie Soundtrack-Alben mit Original-Songs und Filmmusik neu herausgebracht.

Graham Coxon – Castle Park
VÖ: 19. Juni 2026, Transgressive
www.grahamcoxon.co.uk
www.facebook.com/grahamcoxonofficial

