THIS IS LORELEI – The Singer In My Band


Foto-© Eve Alpert

Billy doesn’t need to watch the screen
‚Cause he knows most every word and what it means
I always thought that Billy had the knack
And I always thought that Billy might come back

The last time I saw Billy was in 2022
Yeah, the only things he ever did were things I wouldn’t do
And now he’s showing up in cowboy boots with all the luck he needs
He’s got every song he’ll ever wanna sing, you can hear him sing

Like he’s singing from the bottom of a deep blue sea
Yeah my Billy’s got a voice that sings for you and for me
Billy’s back, he’s singing to the track
Billy came back

(This Is Lorelei – Billy Came Back)

Man wundert sich nicht, dass Nate Amos aka This Is Lorelei schon mit seinem ersten Studiowerk von 2024 zu einer kleinen Indie-Sensation wurde – vor allem unter prominenten Kollegen. Songs des Debüts Box For Buddy, Box For Star wurden alsbald beispielsweise von Snail Mail, Tim Heidecker, MJ Lenderman, Waxahatchee und Jeff Tweedy aufgenommen (eine um diese Cover-Versionen erweiterte Deluxe-Edition gibt’s zum Download auf Bandcamp). Auch diverse Tracks der neuen Lorelei-Platte The Singer In My Band wären beispielsweise auf Tweedys meisterlichem Triple-Album Twilight Override (2025) nicht unangenehm aufgefallen – ein höheres Lob kann es an dieser Stelle kaum geben.

Es ist eigentlich ein ganz klassisches Singer-Songwriter-Album, das uns Amos – vorher schon relativ bekannt durch das experimentellere Projekt Water From Your Eyes – jetzt als neuerliche Talentprobe vorlegt. Anschlussfähig für alle, die diese uramerikanische Musik gern mit einem knarzigen, auch mal schrammelig-noisigen Alternative-Twist hören – weit genug weg vom langweiligen Neo-Folk-Mainstream also. Und weißgott, Songs schreiben kann dieser Bursche. Hört nur mal The Kid With The Crown, einen von kurzen, gleißenden Gitarrensoli durchzogenen Folkrock-Track, das tatsächlich sehr Tweedy-eske Oh No Now My (ebenfalls mit superber Gitarrenarbeit), oder den an Beck und R.E.M. gemahnenden eingängigen Indiepop-Song Billy Came Back.

Aber auch traditionelleres Americana-Liedgut verschmähen This Is Lorelei nicht, etwa im Countryrock-Bluegrass-Titelsong, im lässig swingenden And I Haven’t Seen My Love In Quite A While und in Watching Heaven Fall. Im sanften Closer Don’t You Cry In Lonesomeness beschränkt sich Amos auf die E-Gitarre und seine höchst angenehme, leicht nasale Baritonstimme. Nach kurzweiligen 35 Minuten weiß man (spätestens), dass mit The Singer In My Band ein neuer Stern am US-Folkrock-Himmel aufgegangen ist.

Das Album „nimmt sich die Grundbausteine des Great American Songbook vor und kreiert daraus etwas Neues, das seltsam vertraut und dabei eben doch charmant eigenwillig klingt“, schreibt das Label Matador – und übertreibt damit keineswegs. Geschrieben habe Amos das Album „unterwegs zwischen ausverkauften Shows wie jenen im letzten Herbst in Deutschland. On the road.“

Die Ideen „entstanden beim Tagträumen im Auto, ohne Zugang zu irgendwelchen Instrumenten“, erzählt der Lorelei-Barde. „Statt zu Hause an der Gitarre oder am Computer zu schreiben, haben sich die Songs so eher langsam und unterbewusst entwickelt, fast ungreifbar, während ich aus dem Fenster des Tourbusses gestarrt habe.“ In den eigenen vier Wänden und in seinem Elternhaus in Vermont nahm Amos die Platte schließlich auf – alles von ihm selbst eingespielt und produziert, mit nur wenigen Ausnahmen: ein Banjo-Solo steuerte sein Vater bei, der Bluegrass-Musiker Bob Amos, und es gibt Gesangsbeiträge seiner Schwester Sarah und seiner Partnerin Al Nardo.

Überhaupt hat Nate für seine von archetypischen Figuren bevölkerten, in typisch amerikanischen Landschaften angesiedelten Songtexte (über Joey, Billy, Genevieve, Sarah und immer wieder Buddy) gern Ratschläge aus der Familie angenommen: „Ich habe meinem Vater das Album geschickt, nachdem ich es fertiggestellt hatte, und er meinte, es sei so etwas wie eine ‚On‑The‑road‘-Beatnik-Platte. Das hat meine Sicht darauf verändert“, sagt er. „Es ist tatsächlich eine Sammlung chaotischer Erfahrungen, wie man sie auf Reisen macht. Kleine fiktionale Werke, aber immer versetzt mit Spuren von Wahrheit.“

Oder, um nochmal das Label Matador mit einer stimmigen Einschätzung zu zitieren. „Dies sind Songs über das Songwriting als Lebensform selbst – chaotisch, zermürbend und transzendent – von einem der begabtesten zeitgenössischen Ausleger dieser Kunstform.“ Well done, Nate!

This Is Lorelei – The Singer In My Band
VÖ: 11. September 2026, Matador Records
www.thisislorelei.com
www.facebook.com/nateamosthisislorelei

This Is Lorelei Tour (VVK-Start am 16.09. um 11 Uhr!):
27.02.27 Köln, Club Volta
01.03.27 Hamburg, Betty
04.03.27 Berlin, Columbia Theater
06.03.27 München, Storm

YouTube Video

Werner Herpell

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