Buchvorstellung

Veröffentlicht am 14.05.2013 | von Dorota

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ULF ERDMANN ZIEGLER – Nichts Weisses

Ulf Erdmann Ziegler - Nichts Weisses Buch-Kritik

‚So wie Kurzsichtige, deren Brille zerbrochen ist, schreckhaft erscheinen, so war auch Marleens Sicht der Dinge plötzlich verkürzt, der Tastsinn verlässlicher als der Orientierungssinn. Hilfe hätte sie gebraucht. Alles, was Franz in der Wohnung hinterlassen hatte, war eine Klemmlampe und die gerahmte Zeichnung an der Wand. Kein Gruß, nichts.‘

(Ulf Erdmann Ziegler – Nichts Weisses – Seite 88-89)

Der Buchumschlag wirkt spannend, fast klassisch. Ein bisschen wie beim Augenarzt, wenn man die Buchstaben, die immer kleiner werden, vorlesen soll. Ein weißes Ei hinter der gut zu lesenen Schrift – notwendig? Fraglich. Auf die Schrift aber soll der Fokus gelegt werden, das ist klar. Es ist mehr als nur der Titel, aber das weiß man erst, wenn das Buch ‚Nichts Weisses‚ von Ulf Erdmann Ziegler gelesen wurde.

So aufregend die Gestaltung ist, so enttäuschend ist das geschriebene Wort an sich: Der Inhalt beschränkt sich auf wenig spannendes. Die Hauptfigur ist Marleen, die seit ihrer Kindheit eine verrückte Neigung zur Typographie entwickelt. Sie besucht die Schule, macht ein Praktikum, studiert an einer Gestalterschule, geht nach Frankreich, arbeitet dort, wird zwar kein Star, erarbeitet sich aber trotzdem eine wichtige Position. Ihr Ziel: Eine eigene Schrift entwickeln. Soweit der berufliche Weg.
Der Private sieht da schon anders aus: Sie lernt viele Menschen durch ihr Studium kennen, verliebt sich in den ein oder anderen, wird verlassen, zurückerobert. Auffällig dabei ist, dass gewisse Menschen immer wieder in ihrem Leben auftauchen, ob sie will oder nicht. Sie wird schwanger von einem, der das mit der Religion ernst nimmt. Es ist ein Durcheinander. Die Klarheit von Schriftarten, die Exaktheit von Strichen und Abständen, die Normen, die gibt es privat nicht.
Die gibt es aber auch in diesem Buch nicht. Ulf Erdmann Ziegler schreibt ein Chaos zusammen. Egal, ob es um die Kapitelaufteilung geht oder die Absätze an sich. Bis man verstanden hat, wer wer ist – sowohl bei Familienmitgliedern, aber eigentlich allen Personen, die auftauchen – ist man schon bei dreiviertel des Buches angelangt. Man versteht zunächst nicht den Zusammenhang mit den Themen Typo, Religion, uneheliches Kind etc. – hat aber auch überhaupt nicht das Bedürfnis sich näher mit der Geschichte zu befassen. Man ist ja mit dem Zurechtfinden und Zuordnen der Figuren beschäftigt.

Das Erwachsenwerden einer jungen Frau, die Digitalisierung des Druckes, von der Religiösität bis zum unehelichen Kind – die Symbolik des Wandels der Gesellschaft und bei Marleen wird deutlich – keine Frage. Der Schreibstil und die Erzählweise ist gewöhnungsbedüftig und anstrengend. Man bemüht sich den Faden nicht zu verlieren und tut es doch. Schade eigentlich, denn das Thema ist interessant und findet zumindest dadurch genug Anhänger, die sich dem Buch widmen werden.

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Ulf Erdmann Ziegler – Nichts Weisses
gebundene Ausgabe, 259 Seiten
ISBN-10: 3518423266
Suhrkamp Verlag, Auflage: 2 (13. August 2012)
19,95 EUR
www.suhrkamp.de

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