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Veröffentlicht am 9.04.2010 | von Dominik

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TROPA DE ELITE – Filmkritik

In Rio hängt der Frieden vom empfindlichen Gleichgewicht zwischen der Munitionsmenge der Gangster und der Korruption der Polizisten ab. Ehrlichkeit gibt es nicht. Gehen ehrliche Polizisten in die Slums, geht die Scheiße erst richtig los.

(Capitão Nascimento – Tropa de Elite)

Wir schreiben das Jahr 1997 und der Papst hat sich angekündigt Rio zu besuchen. Soweit so gut. Nur blöd, dass sein gewünschter Aufenthaltsort in direkter Nachbarschaft eines Armenviertels liegt. Also viel Arbeit für die Sicherheitskräfte – gerade da die Polizei diese Gebiete schon lange den Drogenbaronen überlassen hat und diese nur noch aufsuchen um ihren Anteil am Kuchen, in Form von Bestechungsgeldern, abzuholen.

Während die Polizei sich also selbst behindert und mit Untätigkeit glänzt, stehen die Zeichen für die militärische Spezialeinheit BOPE somit auf Krieg. Unter Leitung von Capitão Nascimento ziehen die Männer, die sich selbst als Totenköpfe bezeichnen in die Slums, um dort für Ordnung zu sorgen. Nascimento selbst befindet sich währenddessen auf der Suche nach einem Nachfolger, denn der Druck und die Belastung seines Jobs zerren an dem werdenden Vater. Doch ohne einen guten Ersatz will er nicht abtreten. Seine Hoffnung setzt er auf die beiden jungen Polizisten Matias und Netto, die der Korruption in ihren Revieren trotzen.

In Rio De Janeiro ist also mal wieder die Hölle los. Regisseur José Padilha schuf mit seinem Spielfilmdebüt ein Portrait zweier Freunde, einer Einheit und einer Stadt im Krieg. Schnell baut man Sympathien zu den beiden Jungpolizisten Matias und Netto auf, deren einziges Ziel ist für Recht und Ordnung zu sorgen – die dabei aber lernen müssen, dass sie damit ziemlich alleine sind. Doch wie weit können sie gehen ohne ihre eigenen Vorstellungen zu verkaufen.

Tropa de Elite“ zeigt nüchtern die Gewalt auf den Straßen Rios, aber auch den Druck unter dem sich die Ordnungshüter in einer Stadt der Korruption und des Unrechts befinden. Die gebildeten Studenten konsumieren wie selbstverständlich Drogen, ohne sich ihrer Schuld und ihrer Rolle im Spiel der Drogenbarone bewusst zu werden. Gleichzeitig wütet in den Slums der Krieg um Drogen, Macht und Geld. So oder so – keine Seite mag die Polizei, die sich zusätzlich auch noch selbst behindert, da jeder am Drogengeld mitverdienen will. Sie sind also auf sich allein gestellt, die Guten. Dabei sind diese auch nicht immer als solche zu erkennen, wenn sie gerade foltern oder töten.

Der Film, der zuerst als Dokumentation geplant war, schafft den Spagat zwischen fiktiven Drama und Pseudo-Dokumentation. Immer wieder ist man hin und her gerissen zwischen Sympathie und Abneigung mit den Hauptcharakteren, die letztlich nur Figuren sind in einem viel größeren bösen Spiel, das mit Folter und Mord gerade erst beginnt und in Form von Nascimento die Zukunft eines jeden einzelnen der Spezialeinheit aufzeigt: Einen Einzelkämpfer, am Rande des Nervenzusammenbruchs, geprägt von Gewalt und Gegengewalt.

Tropa de Elite (Bra 2007)
Regie: José Padilha
Darsteller: Wagner Moura, André Ramiro, Caio Junqueira, Milhelm Cortaz, Fernanda de Freitas
DVD-VÖ: 02. April 2010, Universum Film
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren

httpvh://www.youtube.com/watch?v=fUUgj1VT8X8

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Über den Autor

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