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Veröffentlicht am 23.02.2011 | von Jenny

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BRIGHT EYES – The People’s Key

Will I know when it’s finally done?
This whole life’s a hallucination
You’re not alone in anything
You’re not alone in trying to be

(Bright Eyes – Ladder Song)

Lieber Conor Oberst!

Rastlos! Wütend! Manisch-depressiv! Getriebener haben sie dich genannt. Man sagt dir nach du seist ein Wunderkind. Und Musikern im Allgemeinen sagt man nach, dass sie es, nachdem der große Wurf , der Präzedenzfall (wie dir mit „I’m Wide Awake, It’s Morning„) gelungen ist, selten bis gar nicht schaffen in gleichem Maße an ihren Erfolg anzuknüpfen. Aber du wärst nicht als musikalisches Mastermind bekannt, wenn du uns nicht immerzu von deiner Genialität zu überzeugen wüsstest. Überzeugend! Ja, so klangst du gerade auf deinen anfänglichen Werken wenn du herzzerreißend, zynisch oder gar hysterisch-anmutend deinem Weltschmerz Ausdruck verliehen hast.

Auf deinem neuen Album „The People’s Key“ hat man nun aber viel weniger den Eindruck, das es dir darum geht gegen bestehende Paradigmen anzurennen. Man möchte behaupten du seist gereift. (Hah! Wer hätte das gedacht, werden die kritischsten unter uns sagen. Was für eine unabsehbare Entwicklung, dass man mit nun einunddreißig Jahren auch mal abgeklärter und besonnener wird…). Doch wie leitet dein Freund der Musiker Denny Brewer mit dem gesprochenem „Firewall„-Intro ein? – „We progress, we always progress. We try to…“ Ich glaube, dass du den Schwerpunkt deiner Gedanken nun vielmehr auf das akzeptieren wollen, weg vom alles verstehen wollen gelenkt hast. Schlicht und ergreifend wirkt es, als ob du erkannt hast, dass es keine unumstößlich-richtige Weltanschauung gibt.

Ich habe dich ja nie persönlich kennengelernt, aber wenn es stimmt was man dir seit Jahren nachsagt und deinen Texten entnehmen kann, dann bist du ein Mensch der mit seinen verbalisierten Gedanken zu polarisieren weiß. So auch mit deinem neuen und eventuell auch letzten Album als Bright Eyes; „The People’s Key“. Die einen halten das Album für zu rockig und konventionell, die anderen gratulieren in Gedanken zu dem Anschluss und Abschluss gleichermaßen. Ich schließe mich eher letzteren an. Nehme es mir nicht übel, lieber Conor, wenn ich dir sage, dass mich „Cassadaga“ nur bedingt vom Hocker gerissen hat, da es einfach nicht die Erwartungen erfüllte, die ich in deine Lieder gesetzt hatte.

Auf deinem neuen Album „The People’s Key“ sind Themen wie Religionen, Identifikation und Atheismus geblieben, sowie deine beeindruckende Eloquenz. Hinzugesellt haben sich verstärkt Aspekte wie Humanismus und Vergänglichkeit. Was ist es diesmal womit du uns in deine Fänge zu nehmen weißt? Etwa die schwermütige Leichtigkeit mit der du, vom Piano untermalt, das Streben nach Einzigartigkeit in „Ladder Song“ besingst? Definitiv deine Stimme, die in diesem puren Song dominiert, der subtilen Melodie jedoch genug Raum lässt. Feinfühlig und detailverliebt. So könnte man es beschreiben.

In „Haile Selassie“ singst du dann wieder, von eingehenden Gitarren-Klängen begleitet, auffällig langgezogen, herrlich herzzerreißend und nölig und man möchte dir zurufen: Ja! Er ist zurück. Ebenso der Messias. Also Haile Selassie…also…ach, wer weiß ob du das überhaupt wirklich so gemeint hast.

Ein weiterer genialer Coup: Für alle Freunde von Vergleichen auf ältere große Werke hast du „Approximate Sunlight“ geliefert. Ein bisschen Lo-Fi- und Elektronik-Klänge, dazu die Frauenstimme am Anfang und man fühlt sich an eine gelungene Mixtur aus „Digital Ash in a Digital Urn“ und „Cassadaga“ erinnert. „Triple Spiral“ ist dann musikalisch wieder gewohnt unkonventionell. Es geht um Atheismus und Glauben. „I loved you triple spiral, father, son, ghost, but you left me in my darkest hour“ und kann lyrisch allemal überzeugen.

Ach Conor! Ich finde du bist schon ein toller Typ und sicherlich auch ein sehr guter. Nicht umsonst spielen Liebe und Menschlichkeit eine Rolle in Liedern wie „Shell Games„, das übrigens ungewohnt unbeschwert und poppig daherkommt. Ja, ja. „…love’s always been the message…“ so „here it comes that heavy love…“ Einfach schön anzuhören.

Na ja. Soweit erstmal von mir lieber Conor. Vielen Dank für das neue, vielfältige Album. Liebe Grüße auch an Nate Walcott und Mike Mogis ohne die diese großartige LP wohl nie entstanden wäre. Und auch wenn es – unter uns gesagt – nicht mein absolutes Lieblingsalbum wird hat es doch Potential mich wieder sehr lange zu prägen. You know, „I was blind before I met you…“

Deine, J.

Bright Eyes – The People’s Key
VÖ: 11. Februar 2011, Polydor
www.conoroberst.com
www.myspace.com/brighteyes

httpvh://www.youtube.com/watch?v=g6MnpD5_4GI

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