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Veröffentlicht am 11.10.2011 | von Dominik

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LANTERNS ON THE LAKE – Gracious Tide, Take Me Home

When you went missing, I looked almost everywhere.
And I sailed the seas, you were never even there…
You were never even there

(Lanterns On The Lake – If I’ve Been Unkind)

Zufall oder Schicksal, manchmal erwischt es einen knüppeldick. Schlechtes Wetter, Stress im Job und auch ansonsten wirkt das Glas eher halbleer als halbvoll. Doch was wäre das Leben eines Musikverrückten ohne das Wissen um Musik, die einen dort abholt, einem das Gefühl gibt verstanden zu werden und einen trösten zu können. ‚Gracious Tide, Take Me Home‚ ist solch ein Album.

Das Sextett Lanterns On The Lake hat sich einige Zeit gelassen, um ihr Debütalbum hervor zu bringen. Seit 2008 arbeitete man mal mehr, mal weniger an den elf Songs, die es letztlich auf die Platte schafften, veröffentlichte in dieser Zeit dafür aber auch zwei EPs. Zeit lassen sich teilweise auch die Stücke, langsam bauen sich Songs wie ‚If I’ve Been Unkind‚ von ein paar unscheinbaren Gitarrengriffen zu einer mitreißenden Ballade auf, während sich die beiden Stimmen von Hazel Wilde und Adam Sykes aneinander schmeicheln, sich gar anzuschmachten scheinen. Er männlich bestimmt, sie weiblich verletzlich, gar schüchtern.

Überhaupt hat man sich einiges zur Vertonung der Stücke ausgedacht. Mal führt elektronisches Gefrickel durch die Stücke, die ansonsten klassisch anmuten und mit Violine-, Gitarren-, Glockenspiel- oder auch Piano-Parts aufwarten, mal belässt man es bei einer rohen Demo-Version, nur mit Gesang und Gitarre (‚Not Going Back To The Harbour‚). Ohne die elektronischen Parts wären die Parallelen zu einem anderen britischen Album noch stärker, weißt doch auch das zweite Noah And The Whale-Album ‚The First Days Of Spring‚ einen gehörigen Hang zur Melancholie auf, zeigt auch Parallelen bezüglich Atmosphäre und Instrumentierung und ordnet sich ebenfalls irgendwo im Folk-Genre ein.

Ships In The Rain‚ steht beispielhaft für die einfache Großartigkeit der Lanterns On The Lake-Lieder: inspiriert von einer wahren Begebenheit, nämlich, dass ein junger Seemann aus dem Ort, indem die Band zu der Zeit lebte, auf See vermisst wurde, entstand eines der traurigsten Lieder des Albums, das ansonsten nur von einem Hauch Violine und Chören, die durch einen alten Gitarren-Amp geschliffene wurden, getragen wird. Über allem thront Hazels Stimme, die immer wieder die Zeilen wiederholt: „Ships in the rain, I see you again„. Das darauf folgende ‚A Kingdom‚ wiederum zieht seine Inspiration aus einem Buch bestehend aus Briefen aus dem zweiten Weltkrieg und lässt sich weitaus beschwingter und überaus treibend an.

Doch wahrhaft groß sind die Stellen, an denen die Band verharrt und man als Hörer geradezu ehrfürchtig lauscht, den Stimmen an den Lippen zu hängen scheint, den nächsten Takt und den nächsten Ton erwartend. So leiert ‚The Places We Call Home‚ geradezu aus, bis das Lied eine Minute vor Ablauf zu einem Schluss gekommen scheint, die Elektronik aus- und das verhallte Klavier einsetzt, nur um sich dann langsam zu entfernen. Ein Überlied beinhaltet das Album, mit ‚Blanket Of Leaves‚ auch noch – die Schönheit dieses Songs kann man nur schwer beschreiben, deshalb belassen wir es einfach beim Zitieren: „And it turned me into stone, these poisen thoughts, my troubled thoughts won’t let me go. And it turned me into stone. Blanked of leaves just cover me and warm my bones. Sing me to sleep!

Ein Album wie gemacht für die Zeit der roten, fallenden Blätter, für die Zeit der Melancholie und der Kälte. Ein Album wie gemacht für Menschen, die diese Zeit und ein großartiges Album zu schätzen wissen oder aber etwas Trost suchen. Ein Album, das mehr gibt als es nimmt.

Lanterns On The Lake – Gracious Tide, Take Me Home
VÖ: 23. September 2011, Cooperative Music
www.lanternsonthelake.com
http://lanternsonthelake.bandcamp.com

httpvh://www.youtube.com/watch?v=37pqMoW4z5s

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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