Musik

Veröffentlicht am 1.03.2012 | von Dominik

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SOLARSOLAR – Pilot

I’m going in to set it up
That’s how it is when I construct
I’ll take the ropes
You take the hook
We’ll follow all the rules in this book
And what you win
I won’t look
That’s what you get
When you’re stuck

(SolarSolar – I Can’t Find You)

Name und Wirkung, oder wie ein Band-Name wie SolarSolar einen doch in die Irre führen kann, befinden sich doch auf dem Debütalbum des kanadischen Duos bei weitem keine sommerlich-erquickende Songs. Vielmehr breitet sich auf ‚Pilot‚ eine düstere Spielwiese für elektronische Samples, intime Sinnlichkeit, gepaart mit dem mädchenhaft-verletzlichem Gesangs-Organ von Angela Drysdale aus.

Pilot‚ eröffnet die Platte. Mystisch hallen die vereinzelten Gitarren-Picks durch den Raum, während sich der Drumcomputer rhythmisch-hypnotisierend im Hintergrund warm läuft und sich im Vordergrund immer wieder über die Streicher-Samples und die zerbrechlich wirkende Stimme von Drysdale setzt. ‚Barely Noticing‚ funktioniert dann rein elektronisch, als Synth-Spielwiese und erinnert dabei an die Kollegen von Phantogram oder High Places, bloß in gemäßigtem Tempo.

Walking Like Children‚ baut dagegen auf breite Synth-Flächen, die zum Refrain hin einsetzen und die mehrschichtigen Gesangs-Spuren unterlegen. ‚Home‚ setzt das nächste Ausrufezeichen der Platte, schmeichelt sich mit einem gemächlichen und an sich einfachen Klavier-Spiel, schleichenden Drums und immer wieder aufflackernden Samples ins Ohr, um sich zum Ende hin zuzuziehen und auszulodern, während Drysdale dem Hörer immer wieder „Feed Me“ zuhaucht. Ähnlich hypnotisch agiert dann auch ‚I See Her‚, der nächste Song der Platte. Nach bekanntem Muster agieren auch hier Drumcomputer, Samples und Synths mit der Stimme der Sängerin, die manchem Hörer vielleicht als zu schwach oder zu beliebig erscheinen mag, die jedoch, wie die sonstigen Song-Zutaten, als hallendes und schwebendes Element einen großen Einfluss auf die Atmosphäre der intimen und dabei zeitgleich immer wieder in sich unscheinbar verspielten Lieder hat. So wird viel gehaucht und geflüstert, während die Beats mal hintergründiger, mal zwingender verklingen – so auch in ‚Detour‚.

Herzstück der Platte ist dann mit ‚I Can’t Find You‚ ein Song, der sich im weitesten Sinn als Pop-Song versteht und sich immer wieder aufbäumt, hochschraubt und in einem Chor aus Stimm-Samples, Gesang und Synths zu einer zuckersüß-melancholischen Klangwand wird. ‚My Favourite Sound‚ wirkt dagegen als trostlos-waberndes Noir-Werk, ‚You Haunt My Day‚ bricht mit seinen nicht wirklich zum sonstigen Sound der Band passen wollenden Gameboy-Samples aus dem Gesamtwerk des Albums aus und leitet in das vertrackt-verfrickelte ‚My Sailboat‚ über.

‚Pilot‘ ist ein ungemein atmosphärisches Debütalbum, das sich gerade zu Beginn in Gesten und in seiner Düsternis ergeht, dem dann zum Ende hin allerdings etwas die Energie ausgeht, da man den zuvor sehr konsequent-verfolgten Weg verlässt. Dennoch zeugen Songs wie ‚Home‘, ‚I See Her‘ oder ‚I Can’t Find Her‘ von der Klasse des Duos und bilden den Grundstock dieses intimen Noir-Ambiente-Albums.

SolarSolar – Pilot
VÖ: 21. Februar 2012, Binary Records
http://solarsolarmusic.ca
http://solarsolar.bandcamp.com

SolarSolar-Walking Like Children (Official video) from SolarSolar on Vimeo.

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Über den Autor

Bedroomdisco-Gründer, Redaktions-Chef, Hans in allen Gassen, Golden Leaves Festival Booker, Sammler, Fanboy, Exil-Darmstädter Wahl-Hamburger & happy kid, stuck with the heart of a sad punk - spreading love for great music since '08!



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