Film

Veröffentlicht am 11.12.2012 | von Tobias

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KRIEGERIN – Filmkritik

Wir sind alle gleich. Es gibt kein Oben und kein Unten. In einer Demokratie kann jeder mitbestimmen.

(Marisa – Kriegerin)

Wird in Deutschland mal wieder das Thema Rechtsradikalität in einem Film verarbeitet, ist Vorsicht geboten. Leider triften solche Filme immer in Klischees ab und vermischen sich mit einer handwerklich schlechten Umsetzung des Themas. Eine Vertiefung über Springerstiefel und Nazimusik hinweg ist meistens nicht zu sehen. Umso überraschender ist es, dass der Regisseur David Wnendt es mit seinem Diplomfilm ‚Kriegerin‚ geschafft hat, eine Milieustudie abzulegen, die über weite Teile frei von Klischees ist und eine hervorragende Hauptdarstellerin zu bieten hat.

‚Kriegerin‘ erzählt parallel zueinander die Geschichte von Marisa und Svenja. Marisa (Alina Levshin) ist Mitglied einer rechtsradikalen Clique in einem kleinen Dorf irgendwo in Ostdeutschland. Wenn sie nicht an der Kasse des Supermarkts ihrer Mutter sitzt, ist sie mit ihren Freunden unterwegs, beschimpft und schlägt Ausländer. Nach einem übergriff an einem Badesee gegen zwei Asylbewerber rammt Marisa die beiden mit ihrem Auto. Von nun an lebt sie in dem Glauben einen der beiden getötet zu haben. Jamil, einer der beiden Asylbewerber, lauert Marisa nun immer öfter im Supermarkt auf. Eine vorsichtige Bindung entsteht zwischen den beiden, die Marisa langsam an ihrer rechtsextremen Gesinnung zweifeln lässt.

Gleichzeitig zum langsam Ausstieg von Marisa erzählt Regisseur David Wnendt die Geschichte von Svenja (Jella Haase), die immer mehr Anschluss zu der rechten Szene findet. In einem bürgerlichen Haus aufgewachsen, mit klaren Regeln findet die 15-jährige in der rechtsextremen Gruppe, so etwas wie Liebe und Zusammenhalt.

Verliert sich der Film auch leider gegen Ende, durch die Darstellung des Ausstiegs von Marisa aus der rechtsradikalen Szene, in filmischen Klischees, ist er jedoch durchaus sehenswert und eine echte Empfehlung. Schon lange hat eine Jungschauspielerin nicht mehr so mitreißend gespielt wie Alina Levshin als Marisa. Der Film ‚Kriegerin‘ zeigt somit in aufwühlenden Bilder, wie schnell Jugendliche in den Sog der Neonazi-Szene gerissen werden können und wie das Leben in einer Solchen Szene aussieht.

Kriegerin (Deutschland 2011)
Regie: David Wnendt
Darsteller: Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Sven Splettstößer
DVD-VÖ: 9. Oktober 2012, Ascot Elite Home Entertainment

httpvh://youtu.be/M8lchRi8Hbo

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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