Film

Veröffentlicht am 30.01.2013 | von Tobias

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LIFE IN STILLS – Filmkritik



Wir haben den Staat wieder gefunden!

(Miriam Weissenstein – Life in Stills)

Wir leben in einer Welt, in der alles dokumentiert wird. Twitter und Facebook sind alltägliche Gebrauchsgegenstände auf denen wir unsere Aktivitäten, Gefühle und viele Bilder teilen. In ein paar Jahren werden wir eine Bilderflut unserer Vergangenheit zur Verfügung haben, wie noch nie zuvor, von wichtigen bis unwichtigen Ereignissen unseres Lebens. Vor- und Nachteil einer globalisierten, vernetzten Welt. Doch viel unerlässlicher ist es, die Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren. Beispielsweise die Fotografien von Rudi Weissenstein und dessen Bilder über die Unabhängigkeitserklärung Isreals. Diesem Thema hat sich nun der wundervolle Dokumentarfilm ‚Life in Stills‚ angenommen.

Miriam Weissenstein, die Witwe des israelischen Fotografen, ist 96 Jahre alt, aber noch keineswegs altersmüde. Mit ihrem Enkel Ben führt sie den Laden The Photo House, welcher den kompletten Nachlass, beeindruckende 250.000 Negative, lagert. Das Leben von Miriam ist geprägt von Schicksalsschlägen, die sie noch immer in ihrem täglichen Leben begleiten. Der Tod ihres Mannes, die Ermordung ihrer Tochter durch deren Ehemann und nun soll auch noch ihr geliebter Laden einer großen Einkaufsmeile weichen. Großmutter und Enkel müssen sich arrangieren und geraten trotz ihres sehr intimen Verhältnisses öfters aneinander. Miriam findet sich nur schwer mit den modernen Vermarktungsideen von Ben ab. Auch sein Lebensstil ist ihr so fremd wie digitale Fotografie. Der Enkel dagegen muss immer wieder gegen die Sturheit seiner Großmutter ankämpfen. Dennoch kommen beide nicht ohne einander aus und bilden eine Symbiose, wie man sie nur selten gesehen hat. Zwei Menschen verbunden in ihrem Glauben an die Bedeutsamkeit ihres Besitzes und dessen Weiterleben.

‚Life in Stills‘ ist eine beeindruckende Dokumentation und behandelt ein Thema welches, weitgehend unbekannt ist. Die liebevollen Streitigkeiten von Miriam und Ben sind das Herzstück des Films und geben einem das Gefühl die beiden sehr intim kennenzulernen. Die Tragik aber auch die Freude der beiden wird dabei in vielen kleinen Episoden erzählt. Einer der Höhepunkte ist, als in Miriam‘s Apartment eingebrochen wird. Über Minuten versuchen alle Beteiligten in dem Chaos die Negative der Unabhängigkeitserklärung zu finden. Der Schnitt auf das Gesicht der alten Dame zeigt so viel Trauer und Wut, dass es einem fast das Herz zerspringen lässt. Man könnte diesen beiden Figuren viel länger zuschauen als den 60 Minuten Laufzeit.

Life in Stills (ISR 2011)
Regie: Tamar Tal
Darsteller: Miriam Weissenstein, Ben
DVD-VÖ: 11. Januar 2013, Indigo DVD

httpvh://youtu.be/dP2JClSAvS0

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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