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Veröffentlicht am 23.09.2013 | von Lesley

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KIER – Trilogy

At any fork
In any road
There’s a choice
Should I follow
The beaten path
Or the sound of your voice?

(Kier – Four-Leaf Clover)

Neue Musik findet mittlerweile auf ganz unterschiedliche Art und Weise den Weg in die Welt. Doch was ist das Beste, das Erfolgreichste und Langlebigste? Musiker/innen müssen vieles ausprobieren um im hartumkämpften Musikbusiness wahrgenommen zu werden. Die Idee ein Werk in drei Teile zu teilen ist nun wahrlich nicht neu, doch eröffnet die Trilogie immer wieder die Möglichkeit inhaltlich zusammengehörende Stücke über einen längeren Zeitraum in kleinen Bündeln zu veröffentlichen. Die Einzelwerke haben dann meist einen gemeinsamen Rahmen, sind gleichzeitig aber selbstständig und in sich abgeschlossen. Eine alter Plan, der in Skandinavien neu interpretiert wird? Schon Tina Dico (‚A Beginning, a Detour, an Open Ending‚) und Robyn (‚Body Talk Pt. 1-3‚) waren damit sehr erfolgreich. KiersTrilogy‚ steht vor allem für eine lange, musikalische Reise: vom schönen, ruhigen Kopenhagen ins schnelle, wuselige Los Angeles, vom Altbekannten ins Ungewisse, vom Singer-/Songwriter zum Electro Soul, vom herzergreifenden Gefühlstief zur überschäumenden Lebenslust, von 2010 bis 2013.

Der dänische Sänger und Musiker Kier alias Morten Kjær schließt diesen Weg nun mit ‚Synthezise Me‚ ab, einer tanzbar-poppigen R’n‘B-Elektro-Platte, bei der die vielseitige, soulige Stimme des ausgebildeten Sängers stets dominiert. Direkt ins Ohr geht gleich die erste Nummer ‚Alright‚ mit seinem gepitchten Backgroundgesang, starkem Refrain und vereinzelt eingesetzten, treibenden Beats. Der Bonus Track ‚Australian Spring‚ treibt genau das wieder auf die Spitze und spielt mit unseren Hörgewohnheiten Expander. Produziert wurde die experimentierfreudige EP von Christopher Given Harrison, einem Vocal-Electro-Spezialisten aus LA, der vor allem mit der innovativen Acappella-Gruppe ARORA zusammenarbeitet (vorher bekannt als Sonos).

Angefangen hat aber alles ganz anders. 2011 veröffentlichte Kier die wunderbar gefühlsbetonte Singer-/Songwriter-EP ‚Time Killed the Grand‚. Alle sieben Songs sind im Prinzip klassische, minimalistische Piano-Balladen, die aber durch den berührenden Gesang, die poetischen Lyrics und subtilen Elektro-Elemente modern und zeitlos zugleich erscheinen. Bitter-süße Zeilen wie “If I lean on you / And you lean on me / Does that mean we are no longer free? / If I lean on you / And you lean on me / Does that mean we can’t live independently?” (‚Lean‚) oder “Synchronicity / Seems to be an impossibility / Like sand through fingers / You slip away from me” (‚Synchronicity‚) klingen lange nach. Diesen ersten Teil der Trilogie produzierte übrigens der in Los Angeles lebende Darmstädter Komponist und Multi-Instrumentalist Johannes Luley, der an unzähligen CD-Produktionen beteiligt war und derzeit mit seinem Soloalbum ‚Tales from Sheepfather’s Grove‚ erfolgreich ist.

Die 2012 erschienene zweite EP ‚World Off a String‚ baut die feine Elektroschiene noch weiter aus, inspiriert von Bands wie Bon Iver und Oh Land. Mit den Kopenhagener Produzenten, DJs und Multi-Instrumentalisten Tue Sander und Lars Rønne entstand eine starke Indie-Platte, die durch lässige Elektrobeats, sonniger Akustikgitarre, Glockenspiel und großartigem Gesang besticht. Beispielsweise ‚Good‚ hat auch ein Jahr später immer noch das Zeug zum großen Sommerhit, so auch ‚Four-Leaf Clover‚. Kiers Stimme geht einfach direkt ins Ohr, ins Herz und die Fußzehen. Diese musikalische Flexibilität kann man sich wahrscheinlich nur erlauben, wenn man bei seinem eigenen Plattenlabel unter Vertrag steht: Gule Plader (dt. Gelbe Platten).

Mit seinen Kollegen Tue und Lars, die vor Kurzem erst als Elektro-Funk DJ-Team Robeat Boys auf dem diesjährigen Roskilde Festival in Dänemark aufgetreten sind, hat Kier eine interessante Möglichkeit gefunden seine Musik mal etwas anders bekannt zu machen. Zu dritt touren sie als Kier Project u.a. durch Deutschland und erarbeiten in einem Workshop mit lokalen Sänger/innen jeweils zwei Lieder, um diese dann später gemeinsam im Konzert zu präsentieren. Chorische Mitmach-Aktionen bei Indie-Elektro-Konzerten? Warum eigentlich nicht? Für Kier ist dies naheliegend: Er hat einen bekannten Acappella-Hintergrund, war Mitglied der mit Platin ausgezeichneten Gruppe Basix und Sänger, Arrangeur und Co-Leiter des Weltklasse-Ensembles Vocal Line.

Vielleicht ist das ja der richtige Weg die zermürbende Schnelllebigkeit im harten Musikgeschäft endlich etwas zu entschleunigen: Nicht immer nur als Konsument/innen auf Konzerte gehen, sondern aktiv mitgestalten und für eine Weile Teil der Musik werden. Künstler/innen und Publikum erleben sich intensiver und persönlicher. Für beide Seiten ein Gewinn, ein schöner Gedanke!

Kier – Trilogy
VÖ: 23.09.2013, Gule Plader
www.kiermusic.com
www.facebook.com/kiermusic

Kier Project auf Tour:
23.09.2013 Göttingen
24.09.2013 Hannover
25.09.2013 Hamburg
26.09.2013 Frankfurt
28.09.2013 Berlin

Mehr Infos: www.facebook.com/events/520719928007743

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