Reviews Yuck - Glow & Behold Kritik

Veröffentlicht am 8.10.2013 | von Fred

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YUCK – Glow & Behold

I don’t wanna live forever
I don’t wanna live
I want you now

(Yuck – Middle Sea)

Das Debüt von Yuck im Jahr 2011 präsentierte sich als immerwährendes Indie-Déjà-Vu.  Perfekt inszeniert und mit einer Vielzahl sehr guter Songs ausgestattet, wand sich Yuck tief ins Herz des Schrammel-Indie Liebhabers. Dinosaur Jr., Pavement und die Pixies wurden nicht nur zitiert, sondern gelebt und wenn man die vielen Schichten aus Feedbacks und Dissozationen freilegte, fand man eine Reihe hochmelodiöser und herzergreifender Popsongs vor. Die Vorfreude auf ein Zweitwerk war also groß, wurde jedoch durch das Verlassen von Sänger und Frontmann Daniel Blumberg (ex. Cajun Dance Party) getrübt. Schnell kam die berechtigte Frage auf, ob Yuck auch ohne Blumbergs prägnante Stimme sich selbst treu bleiben. Am 30. September erscheint mit ‚Glow and Behold‘ nun das zweite Album der Band, dieses Mal mit Gitarrist und Sänger Max Bloom am Mikrofon.

‚Glow & Behold‘ erinnert nur selten an den kurzweilig-emotionalen Indie-Power-Pop des Vorgängers und wer eine mit einer allzu versteiften Erwartungshaltung an das schwierige zweite Album geht, kann nur enttäuscht werden. Schon während des ersten Songs werden jegliche Aussichten auf ein konsequentes Nachfolgealbum über den Haufen geworfen – ‚Sunrise in Maple Shade‚ ist ein ruhiges Instrumental und nicht etwa ein Hit wie das brachiale ‚Get Away‚. Das danach folgende ‚Out Of Time‚ setzt die Fixpunkte für Yucks Soundspektrum neu an. Dreampop, Shoegaze und Reißbrettrock bestimmen den neuen Referenzkosmos der Band und der einzige richtige Rocksong auf  ‚Glow & Behold‘ bleibt die Vorabsingle ‚Middle Sea‚. ‚Middle Sea‘ bleibt damit ein Relikt aus vergangenen Tagen, ein stiller Monolith aus der Blumberg-Yuck Zeit. ‚Rebirth‚ hingegen schleppt den Shoegaze noch ein wenig weiter, Lush Gitarren flackern und beben hier an jeder Ecke. Der Blick streift sehnsüchtig den Rückspiegel.

In der zweiten Hälfte des Albums (‚Nothing New‚, ‚How Does It Feel‚) kommen erstmals Blasinstrumente zum Einsatz und unterstützen damit den Ersteindruck eines deutlichen differenzierten Sounds. Yuck sind musikalisch immer noch auf sehr hohem Niveau und schaffen es abermals abwechslungsreich, aber nicht zerfahren zu klingen – eine große Kunst, die nur wenige Bands beherrschen. Der größte Spalter dürfte am Ende Blooms Stimme sein. Diese passt in all ihrer Schlichtheit zwar perfekt zu Yucks neuerworbener Unaufgeregtheit, aber damit geben sich eben lediglich zwei negative Punkte die Klinke in die Hand. Denn was man an Yuck liebte, waren eben die wilden, emotionalen Momente und das Gitarrengeschrammel, beides wurde auf ‚Glow & Behold‘ gegen bedachte und kopflastige Kompositionen getauscht. Eigentlich ist ‚Glow & Behold‘ ein ziemlich gutes Album, aber eben kein Yuck Album mehr.

3von5

Yuck – Glow & Behold
VÖ: 4. Oktober 2013, Fontana, Universal
http://yuckband.com
www.facebook.com/yuckband

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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