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Veröffentlicht am 16.10.2014 | von Carina Hartmann

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CHILDHOOD – Lacuna

And I just did think of my childhood there
The way that I leapt through reality when it was alright
But I feel for you son
That place is not your home
But when I woke up inside and I felt the blue velvet
Feelings of that same old place
Now on the train I roll back but my minds on the distant sun

(Childhood – Blue Velvet)

Gentrifizierung ist eine miese Sache. Da kommt man nach langer Zeit Nachhause und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Andere Leute, anderes Stadtbild, andere Kultur. Childhood aus Brixton können davon ein Lied singen und machen gleich mal 11 draus. Ihr Debütalbum ‚Lacuna‚ ist ganz und gar von Nostalgie durchtränkt. Doch Melancholie hin oder her: Mit warmen Melodien, sprudelnden Basslines und zirkulierenden Gitarrenriffs schafft es das Quartett gleichzeitig so federleicht und unbeschwert zu klingen, dass man sich prompt in den Sommer zurückversetzt fühlt.

Die Geschichte um Childhood beginnt 2010 mit dem Zusammentreffen von Sänger Romans Hopcraft und Gitarrist Dobsen an der Uni Nottingham. Vom Studi-Schlafzimmer aus wandern die ersten Songversuche ins Internet und ziemlich früh entsteht dabei ‚Blue Velvet‘. Es soll jedoch zwei Jahre dauern, bis der Song mit Bassist und Drummer im Gepäck zu seinem Single-Format findet. In einer nochmals aufgebauschten Version bringt der Opener inzwischen auf den Punkt, wofür Childhood seither stehen: laute Gitarren, jede Menge Hall-Effekte und vor allem eingängige Melodien, die von der Sehnsucht nach alten Zeiten untermauert werden. Zwischen 60s Psychedelic, 70s Funk und 90s Shoegaze nimmt ‚Lacuna‘ auf eine musikalische Zeitreise mit, die irgendwo beim Sound von Bands wie Real Estate, Primal Scream und Toy endet.

Mit schwellenden Gitarrenlines, die darauf warten im Refrain auszubrechen, sind es dabei vor allem die poppigeren Songs, die für die großen Hooks der Platte sorgen. Auf ‚As I Am‘ fügen sich allmählich pulsierende Synths zum dämmrigen, psychedelischen Sound hinzu, der sofort im Kopf hängen bleibt. Das funkige ‚Tides‘ besticht mit seinem Drum Machine-Beat und verschnörkelten Keyboard-Effekten, die sich in detailverliebten Layern langsam gegenseitig verstärken. ‚Right Beneath Me‘ fährt das Tempo komplett herunter und inmitten vernebelter Harmonien und Romans Hopcrafts samtweicher Falsett-Stimme fühlt es sich an, als würde man auf Wolken schweben.

Es ist diese Zeit, die sich ‚Lacuna‘ lässt, die einen verzaubert – die Mischung aus textlicher Melancholie und klanglicher Unbeschwertheit, die das Charisma der Platte ausmacht. „Fading, it all falls, feelings and all”, singt Romans Hopcraft auf dem Album-Highlight ‚Falls Away‘ und im Wirbel von Gitarren und Synthesizer wird man davongetragen. Kein Song ist tanzbarer, keiner melancholischer. ‚Lacuna‘ entpuppt sich auf diese Weise als bittersüßes Glanzstück, das sich in die Reihe der besten Gitarren-Pop-Debüts des Jahres einordnen kann.

Childhood – Lacuna
VÖ. 10. August 2014, Marathon Artists
https://www.facebook.com/childhoodband/info
http://www.childhoodband.com/

 

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