JACK GARRATT – Phase

Jack Garratt - Phase CD-Kritik

My love is chemical
Shallow and chauvinistic
It’s an arrogant display

(Jack Garratt – Chemical)

Vorschusslorbeeren sind ja so eine Sache – auf der einen Seite sind sie enorm schmeichelhaft, doch wenn ein neuer Künstler erst einmal in die Hypemaschine der Musikindustrie eingestiegen ist, kann er ja eigentlich oft nur noch verlieren. Mit den haushoch gesteckten Erwartungen nach dem Gewinn des Brit Critic’s Choice Award und des BBC Sound of 2016 Poll hat es der dieser Tage erschienene erste Langspieler von Jack Garratt sicherlich nicht einfach.

Phase‘ ist in Mix aus Pop, Garage, Dubstep und elektronisch angehauchtem R&B, und auf jeden Fall nicht so leicht in eine Schublade zu stecken – der 24-jährige vereint darauf eine Vielzahl von Stilen in einem eklektischen Mix. ‘Breathe‘ ist einer der eingängigsten Tracks – mit zackigen Elektro-Beats und einem poppigen Refrain steppt sich der Song ins Ohr und verlässt es so schnell auch erstmal nicht mehr. Mit dem dubsteppigen Grundgerüst zu souligem Gesang fühlt man sich heftig an einen ebenfalls britischen Landsmann names Alex Clare erinnert, der 2011 die Poplandschaft eroberte.

Weathered‘ ist Garratts Version einer Powerballade – zu Beginn eher langsam und spärlich mit einem pulsierenden Beat und einer einsamen Gitarre instrumentiert, schraubt sich der Song Stück für Stück zu einem elektronisch verstärkten Sturm der Gefühle hoch – inklusive Chören und schneidigen Beats. Was zunächst am Puls der Zeit erscheint, wird einem aber dann doch schnell etwas zu viel – die Elektroeinflüsse, die zackigen Drums und der Harmoniegesang überladen die eigentlich simple Ballade etwas und lenken von der intimen Grundidee des Songs ab. Ein Problem, das sich durch das ganze Album zieht. Garratt ist ohne Frage ein talentierter Songwriter, aber eben noch ein junger Künstler, und in einigen der Songs merkt man, dass er seinen ganz eigenen Weg aus dem Dickicht seiner musikalischen Einflüsse noch nicht so ganz gefunden hat.

I Know All What I Do‘ ist einer der Songs, bei denen es sich anhört, als fühle sich der Brite mehr zuhause. Klar, auch hier mixt er eine eher intime Ballade mit brachialen Elektroeinflüssen, aber eben nur so weit, dass es nicht vom Songwriting ablenkt und dem Gefühl keinen Abbruch tut.

‘Phase’ ist ein solides, modernes Album, das dem Erfolg Garratt’s sicherlich keinen Abbruch tun wird – und je weiter seine Karriere voranschreitet, wird er sich vermutlich auch immer mehr in seinen eigenen Stil einleben und den simplen Ideen vertrauen, anstatt den bombastischen.

3von5

Jack Garratt – Phase
VÖ: 19. Februar 2016, Island Records
www.jackgarratt.com
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