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Veröffentlicht am 8.03.2016 | von Christian Weining

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THAO & THE GET DOWN STAY DOWN – A Man Alive

Thao & The Get Down Stay Down - A Man Alive CD-Kritik

Oh daddy, I’m broken in a million pieces
That makes you a millionaire

(Thao & The Get Down Stay Down – Millionaire)

Die Singer-Songwriterin Thao Nguyen hat mit ihrem Bandprojekt Thao & The Get Down Stay Down gerade das sechste Studioalbum veröffentlicht. In San Francisco wurde die Platte aufgenommen und mit dem Titel ‚A Man Alive‚ getauft. Mit diesem „Man“ meint sie ihren Vater, der sie und ihre Familie in ihrer Jugend verlassen hat und so spielt sie in fast allen Songs auf dieses Erlebnis an. Viel Power, Aggressivität und Emotionen erwarten den Hörer bei den 12 Stücken und meistens sind elektronische Loops genau so vertreten wie rockige Gitarren und viel Schlagzeug und Bass, so dass das Geschirr im Regal klirrt.

Der erste Song ‚Astonished Man‚ und die zwei Folgenden geben schon einen guten Überblick über den Rest des Albums. Tiefe, teils verzerrte Bässe, simple E-Gitarren Riffs und die Rhytmen ähnlich wie bei HAIM, nur nicht mit deren Leichtigkeit und eben diese fehlt hier. Alles ist schwer und schleppend. So auch ‚Departure‚ mit elektronischem Hip-Hop Beat. Generell sind die Harmonien eher düster und nur ihre hohe ungeschliffene Stimme durchbricht den dröhnenden Bass. Synthies bringen hier und da Pepp rein, doch die Schwere bleibt trotzdem meist erdrückend.

In ‚Nobody Dies‚ kommt deutlich der Frust der Verlassenheit durch in einem Song über die Rücksichtslosigkeit mit den Zeilen „I sent all of it and then you send it all back to me. You act like nobody dies..“. ‚Guts‚ fällt aus dem Rest des Albums raus – positiv! Und auch hier geht sie mit dem Vater ins Gericht. „Taught to be loyal, never shown loyalty. I got the guts, I don’t need my blood.“ Schöner Song und nicht so wild mit Effekten bestückt wie die folgenden Songs.
Vor allem ‚Fool Forever‚ und ‚Meticulous‚ greifen Tief in die Technikkiste. Kaum ein Moment ohne Effekt und viele verschiedene unterschiedliche Teile zerstückeln die Songs zu unübersichtlichen kleinen Kunstwerken. Das muss man nicht mögen und es ist auch nicht grade entspannt für den Hörer wenn Red Hot Chili Peppers Style, Schlagzeug Chaos, Rap-Parts, Computer Sounds und elektrisierende Technoklänge auf das Hirn einprasseln. Aber man muss der Amerikanerin lassen, dass sie dabei zumindest viele Emotionen authentisch rüberbringt. ‚Millionaire‚ ist dann zwischendurch noch einmal eine harmonische, wenn auch melancholische Insel. Mit einfachem Beat, klarer Gitarre und schimmernden Sounds kommt ihre Stimme zum Tragen mit den bezeichnenden Worten: „Oh daddy, I’m broken in a million pieces. That makes you a millionaire.“ ‚Hand To God‚ ist ein einfacher Pop Song, dem man auch nur zu Gute halten kann, dass die Stimmte sich besser einfügt als bei den meisten anderen Songs. ‚Endless Love‚ macht dann den Schluss. Auch hier gibt es zwischendurch so viel elektronischen Krach, dass man nicht weiß, was man damit anfangen soll und lieber leiser dreht.

Thao hat über ihr Album selber gesagt: „With this record I had clearer vision and aspirations. I wanted emotion. I wanted power.“ Das hat sie auf jeden Fall umgesetzt. Doch sind es für den Hörer nicht die besten Emotionen, die da frei gesetzt wurden. Es gibt ein paar gute Momente und man kann ihr keine Innovationsfreudigkeit absprechen, doch das anstrengende Hören, die oft kreischende Stimme und die Überladung mit Loops und unbequemen Sounds machen das Hörerlebnis leider mau. Man merkt, dass sie einiges verarbeitet hat auf dieser Platte, den Geschmack des Folk-Rock Fans wird sie damit aber leider eher nicht treffen.

2-3von5

Thao & The Get Down Stay Down – A Man Alive
VÖ: 04. März 2016, Domino Records
www.thaoandthegetdownstaydown.com
www.facebook.com/thaoandthegetdownstaydown

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