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Veröffentlicht am 20.06.2016 | von Robert Heitmann

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DIE HEITERKEIT – Pop & Tod I + II

Die Heiterkeit - CD-Kritik

Dann wird es Nacht
Es könnte leicht ausarten
Es treibt mich sicher an
Und lässt mich schiefer atmen
Ich spüre den Verlust
Ich spüre ihn als Schimmer
Ich erfasse die Empörung
Als Riss in meinem Zimmer

(Die Heiterkeit – Heller Morgen)

Was für ein Konstrukt: 20 Lieder, ein umfangreiches Doppelalbum, reichlich gefüllt mit Mädchen­ & Männerchören und ein Titel mit Gewicht. Die Heiterkeit veröffentlichen mit ‚Pop & Tod I + II‚ ihre dritte LP – aufgenommen im Chez Chérie Studio mit Moses Schneider (Tocotronic, Annenmaykantereit). In den Schlußzügen der Aufnahmen wird bekannt, dass sich Die Heiterkeit neu formatieren: Gründungsmitglied Rabea Erradi verlässt die Band – fortan hat Sängerin Stella Sommer drei neue Musiker um sich versammelt. Zukünftig geht es mit Bassitin Hanitra Wagner (Oracles), Philipp Wulf (Messer) am Schlagzeug und Keyboarderin Sonja Deffner auf Konzerttour.

Auf ‚Pop & Tod I + II‘ bedienen sich Die Heiterkeit weiterhin einer reduzierten Instrumentierung: cleaner E­Gitarrensound, Bass, Schlagzeug und ein Tasteninstrument – geschickt und mit bedacht eingesetzt, bilden diese wenigen Kernelemente stets volle Klangwelten. Doch auf dieser Platte wirkt der Sound der Stücke größer und imposanter als zuvor. Auch Sommers Stimme wirkt noch tiefer und hier und da fast schon majestätisch. So auch auf dem Opener ‚Die Kälte‚. Mit tiefer Stimme singt Sommer: “Da, wo ich wohne, ist es immer kalt, kalt, kalt / Hier kommt die Kälte” – getragen von einer schwebenden Orgel und einem engelsgleichen Mädchenchor, bevor ein kühles Schlagzeug, wie ein tickendes Uhrwerk einsetzt und den Hörer mit einem leichten Unbehagen zurücklässt. Zwei Nummern weiter folgt das Stück ‚Im Zwiespalt‚ mit einem simplen und treibenden Basslauf in der Strophe – dazu wieder ein Mädchenchor, gezielt gesetzte Orgel- ­und Synthie-­Töne sowie Sommers Stimme und fertig ist eine süchtig machende Gitarrenpopnummer.

Die Heiterkeit teilen ihr neustes Werk – zumindest was die Form angeht – in Zwei. Verdeutlicht wird dies nicht nur mit dem Albumtitel: So schließen die ersten zehn Lieder und somit die erste Hälfte mit dem heiteren, fast kindlich gespielten Klavierstück ‚The End‚ ab, in welchem nur noch der Mädchenchor zu hören ist und Sommer auf ihren Leitgesang verzichtet. ‚Heller Morgen‚ eröffnet im Kontrast mit Schlag­ und Effektinstrumenten dann die zweite Hälfte des Albums und Sommer singt wieder kraftvoll “Und ich begrüße ihn wie einen alten Freund, wie einen alten Freund / Wie hell ist der Morgen, wie dunkel die Nacht”.

Die Heiterkeit kreieren mit ihrer dritten LP eine ganz eigene, fast schon traumhafte Liedersammlung . ‚Pop & Tod I + II‘ liefert eine große Auswahl an prachtvollen Songs, stets minimalistisch instrumentiert und mit zielgerichteten Ausdruck – all das auf eine gelassene, fast schon beruhigende Art und Weise. Vom ersten Wort an ist Sommers Gesang ganz nah beim Hörer und führt diesen – führt ihn – durch eine 60­minütige musikalisch berauschende Reise.

Ganz zuversichtlich und mit gutem Gewissen kann Sommer im letzten Stück ‚Haben Die Kids‚ das Doppelalbum mit der Frage schließen: “Und es ist großartig / Sind wir jetzt alle zufrieden?”. Ja, sind wir!

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Die Heiterkeit – Pop & Tod I + II
VÖ: 3. Juni 2016, Buback
www.dieheiterkeit.de
www.facebook.com/dieheiterkeit

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