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Veröffentlicht am 28.06.2016 | von Christian Weining

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LA BOUM FATALE – Holygram

La Boum Fatale - Holygram CD-Kritik

Water
I need water, baby
Water (Yeah!)
Hold me
Kiss me
Love me
Do you think you can teach me on thing or two
About love

(La Boum Fatale – No Tongue In Cheek)

La Boum Fatale ist seit seiner Gründung eine kleine Experimentierstube, mittlerweile nur noch bestehend aus dem Mann der ersten Stunde, Antonio de Spirit. Für das Debüt ‚Holygram‚ hat er sich Zeit gelassen, viel rumprobiert und sich von der Einöde zwischen Berlin und Hamburg inspirieren lassen. Electronica, Dubstep, House, was auch immer. Irgendwie ist alles dabei und beschert einen treibenden und impulsiven Sound. Wichtig ist dabei noch: Der größte Teil des Albums wurde mit anderen Künstlern gemeinsam fabriziert.

Nach einem kurzen, nicht allzu vielsagenden Intro, beginnt die Platte mit ‚Johnny Blitz‚. Der Track erinnert ein bisschen an ‚AAA‚, den ersten Hit des Produzenten. Sehr gradlinig und dadurch eben gut tanzbar. Bestimmt in Zukunft in der ein oder anderen nächtlichen Großstadt zu hören. Guter Start! ‚Ghosts‚ ist dann schon wesentlich experimenteller und hier kommt auch gleich Gesang dazu, wie wir ihn in verschiedenen Formen noch öfters auf der Platte erwarten können. Die Label-Kollegen von Pantasz haben hier mitgearbeitet und schon ist das Ganze sehr powerful, mit kleinteiligen Beats und geisterhaften Vocals. ‚Handpagode‚ ist dagegen nochmal sehr weit gefasst und unspektakulär, dafür etwas düsterer.

Die kreative Auslastung folgt bei Stücken wie ‚Wittenberge‚ oder ‚Lovers Dough‚. Beide überschlagen sich vor der Vielfältigkeit an Beats, Sounds und Effekten. Hauptsache schnell und wild aber man kann nicht ausschlagen, dass sie ziemlich gut ins Ohr gehen, wenn man in der richtigen Stimmung ist. Und trotz aller Abwege sind die Nummern immer noch tanzbar für den erfahrenen Raver. Auch wenn sie es vielleicht gar nicht sein wollen.

Als schöner Ausgleich dienen die ruhigeren Nummern, die mit viel Gefühl in der Stimme und langsam voranschreitendem Dub Beat viel Ruhe und Traumwelten transportieren. ‚No Tongue In Cheek‚ mit dem Dänen Asbjørn zum Beispiel geht schon fast in die songartige Richtung von Bob Moses. Abgesehen davon, dass die Vocals in die Soul und R/B Richtung tendieren. Petula singt bei ‚When We Fall/Razor Wires‚. Bei etwas mehr Action, vorwärts gerichtetem Beat und doch immer wieder auftauchender Folk-Gitarre eine echte Symbiose der beiden Künstler. Genau diese Vielfältigkeit und Kreativität zeichnet ‚Holygram‘ und letzlich La Boum Fatale aus. Beim vorletzten Stück ‚Walls‚ hört man dann plötzlich den Beat aus dem Intro wieder und so kommt es auch noch zu seinem Sinn. Nur diesmal füllt Andreas Bonkowski von SIVA den fetten tiefen Sound mit hoher Stimme.

Durch die Offenheit und Experimentierfreudigkeit für verschiedenste Sounds und Spielarten ist ‚Holygram‘ eine Ode an das Experiment und die Power von elektronischer Musik. Trotzdem erkennt man bei jedem Stück die Handschrift von Antonio de Spirit und seine Vorliebe zu blitzschnellen Drumsounds zwischen tiefen Bässen und einem ausgefeilten Beatgerüst. Die Tracks mit Gesang bekommen zwar gesamt gesehen einen besonderen Stellenwert und dennoch merkt man in allen Tracks die Detailverliebtheit. Auch wenn einige Songs viel Pop in sich tragen und somit auch die weniger elektronisch Begeisterten auf ihre Kosten kommen können, ein Problem bleibt: Natürlich ist nicht grade jeder Fan davon, wenn einem die Beats um die Ohren fliegen, die Stimme komplett verzerrt wird oder undefinierbare Sound durch den Raum schwirren und sich ins Ohr bohren. Seinen Job macht La Boum Fatale jedoch hier ohne Frage sehr authentisch, mit Leidenschaft und für die Masse ist das wohl sowieso nicht gedacht. Daumen hoch!

4von5

La Boum Fatale – Holygram
VÖ: 8. April 2016, Sinnbus
www.laboumfatale.com
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