Musik no image

Veröffentlicht am 2.08.2016 | von Eva-Marie

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CAR SEAT HEADREST – Teens Of Denial

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I get to know myself every weekend and I’m weak

Hangovers feel good when I know it’s the last one
Then I feel so good that I have another one
Last Friday I took acid and mushrooms
I did not transcend, I felt like a walking piece of shit
In a stupid looking jacket

I walked around town and thought I was in Sodom
There were filthy people seeking comfort for their bodies
It was so obscene

Filled with loathing and religious fervor
I laid on my friend’s bedroom floor for an hour
And tried not to piss my pants

And then I saw Jesus

(Car Seat Headrest – (Joe Gets Kicked Out Of School For Using) Drugs With Friends (But Says This Isn’t A Problem))

Wenn man in den letzten Wochen die einschlägige, internationale Musikpresse verfolgt hat, hat man mitbekommen, dass Will Toledo alias Car Seat Headrest der Indietyp ist, auf den wir alle gewartet haben. Angesichts solcher Hymnen wie ‚Drunk Drivers / Killer Whales‘ scheint die Presse recht zu haben. Eigentlich hat Will Toledo sogar schon zwölf Alben veröffentlicht, die er allesamt bei Bandcamp rausgehauen hat. Das erste Album, dass bei Matador Records erschien, war dann letztes Jahr ‚Teens Of Style‘. Kollegin Jana schreibt von Lo-Fi-Hymnen, die klingen als kämen sie aus einem alten Autoradio. Und diesen Sound hat er sich nicht nur dafür vorbehalten.

Von vorne. ‚Fill In The Blank‚: „You have no right to be depressed / You haven’t tried hard enough to like it“. Textlich bewegt sich das zwischen John K. Samson und Stephen Malkmus – musikalisch vor allem bei letzterem. Rotziger Indierock, der an die frühen 2000er erinnert; ein Gitarrenriff zum Mitsummen und ein Auf und Ab des Gesangs. Man kann ja gar nicht richtig sagen, dass es das erste Album war, das weltweit so abgefeiert wurde, weil Toleda wie gesagt schon zuvor viele via Bandcamp herausgebracht hat. Von daher kann man hier auch nur schwer vom „schwierigen zweiten Album“ reden. Viel mehr wirkt es jetzt schon wie ein Best Of.

Nach dem flotten ‚Vincent‘, schiebt sich ‚Destroyed By Hippie Powers‘ mit viel Getöse nach Vorne und entschleunigt dann mit Hilfe einer schneidenden Cowbell. Auch bei diesen beiden Songs geht das Riff direkt ins Ohr. Zuletzt hat man sowas bei Courtney Barnett gehört. Die Geschichte des abgefuckten Indie-Helden trägt sich durch das ganze Album und tritt immer wieder in der Gestalt von Joe auf – wie bei ‚(Joe Gets Kicked Out Of School For Using) Drugs With Friends (But Says This Isn’t A Problem)‘ und ‚Joe Goes To School‘. Das sind Geschichten vom Schulhof; Geschichten vom Typen gegenüber. Diese Geschichten sind voller Trotz und Tristesse, aber auch Witz und Feingefühl.

Sucht man einen Soundtrack zum Handtuch werfen, hier ist er: „Free people give free advice / Let go of the pain, let go of the fear / But if I let go of that / What will still be here / Will I find out / That I am people too?“ singt er bei ‚Not What I Needed‘. Misanthropie trifft Außenseitertum, trifft Fuck Off, trifft einen Berg Sarkasmus, trifft musikalisches Genie. Schön ist hier auch die namentliche Nennung von dem tollen Musiker William Onyeabor in den Lyrics,  die uns auch an dieser Stelle eine Erwähnung wert ist. Die Texte sind so elementar, dass es eben schwer fällt, nicht permanent einzelne Passagen zu zitieren.

Aber kommen wir zum nächsten Ohrwurm: ‚Unforgiving Girl (She’s Not An)‘. Ganz unprätentiös wie der Interpret selbst wird der Song von einer treibend rockigen Melodie getragen und besingt die Liebe, in ihrer ganz banalen Form. Mag sie mich jetzt oder nicht? Die Welt ist schlecht, aber sie scheint gut zu sein. Später folgt der über zehn Minuten lange Titel ‚The Ballad Of The Costa Concordia‘. Toleda wühlt sich durch die Gefühlswelt des Kapitäns der Costa Concordia, zumindest am Rande. Entstanden ist dabei ein ausdrucksstarker Track, der die Geschichte durch seinen Bewusstseinsstrom zu etwas ganz neuem werden lässt.

Am Ende dann doch noch ein Zitat: „That’s it, I like that one / Fuck you“.

5von5

Car Seat Headrest – Teens Of Denial
VÖ: 20. Mai 2016, Matador Records
www.carseatheadrest.bandcamp.com
www.facebook.com/carseatheadrest

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