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Veröffentlicht am 7.02.2017 | von Christian Weining

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KLANGSTOF – Close Eyes To Exit

We tired since ’97 collide and explode, we were long gone
You trick me into thinking that it’s all good
‚Cause that’s the only way we can set the mood

(Klangstof – Sleaze)

Klangstof – Wenn da nicht nur ein „f“ stünde, wäre klar: Das ist eine neue Elektro-Indie-Pop Band aus Deutschland. In dieser Schreibweise ist es allerdings eine Kombination aus norwegisch (KlangEcho) und niederländisch (StofStaub). Der in Norwegen aufgewachsene Holländer Koen Van De Wardt steckt hinter diesem Projekt. Mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe für das Detail kreiert er mit seinen Bandkollegen auf ihrem Debutalbum Close Eyes To Exit atmosphärische Klangwelten, die sowohl poppig als auch experimentell anklingen und legt damit, wie er selbst auch behauptet, sein Seelenleben offen.

Mit einem instrumentalen Intro, das tatsächlich wie ein Intro im besten Sinne klingt, gibt er zu Beginn die Richtung für die folgenden zehn Stücke vor. Doch klingt das Intro noch wesentlich mehr nach Rock-Band mit Hang zur Dramatik, wird es sehr schnell elektronischer. Mit viel Synthies in jeglichen Tonhöhen schichten Klangstof Beat um Beat, Fläche um Fläche, Melodie um Melodie und erreichen damit, was sie wahrscheinlich zu erreichen versuchten: emotionale Klangwelten zum Eintauchen und Verlorengehen.

Immer wieder kommen sowohl herausstechende, als auch sehr subtile Gitarrenklänge zum Einsatz, wie beim Titeltrack Close Eyes To Exit oder Hostage. Harmonisch sind sie mit all den schrägen Sounds, inklusiver der nicht greifbaren Stimme Van De Wardts immer wieder an den äußeren Grenzen des Gewöhnlichen. Muss man nicht mögen, macht das ganze jedoch oft überraschend und abwechslungsreich. Bei Seasons trägt dies beispielsweise auch zu der Lockerheit und Verspieltheit bei. Während sich Telephone simpleren Mitteln bedient und eine Sonntagnachmittags Ballade ergibt, ist Ignore Me der klare Beweis für ihre Experimentierfeudigkeit.

We Are Your Reciever ist eines der stärksten Stücke auf dem Album. Zwischen klaren Strukturen und viel Gitarre bleibt Van De Wardt hier stimmlich ausnahmsweise auf einem normalen Level und trellert suchend wie hoffnungsvoll: „We are your receiver yet. I need no more to stay alive. And I am your antenna for today, but I only receive those cryptic shockwaves“. The Butcher geht ebenfalls sehr gut ins Ohr. Plätschernde Gitarren, detaillierter Beat und eine Ruhe, die sonst auf dem Album so weniger vorhanden ist.

Wenn man nach musikalischer Inspiration fragt, wird man nicht verwundert sein, dass Van De Wardt immer wieder Ok Computer von Radiohead nennt. Natürlich ist das eine große Sache aber man kann durchaus einiges am Experimentellen, Sphärischen und nicht grade harmonisch Angepasstem in seiner und Radiohead’s Musik vergleichen. Und mit diesem Wissen kommt einem auch plötzlich die Stimme sehr bekannt vor. Auch da versucht man sich bei Thom Yorke etwas abzuschauen. Aber keine Frage: Er macht das auf seine eigene Weise und das auch wirklich gut. Klangstof zeigen mit ihrem Debut, dass sie nicht von gestern sind, dass sie die Kunst des Komponierens beherrschen und uns sie uns viel aus ihrem Gefühlsleben mitzuteilen haben. Schade ist, dass sich einiges wiederholt und man deshalb nach elf Stücken erst einmal genug hat. Nichts desto trotz sollten Klangstof auf Dauer kein Geheimtipp bleiben.

Klangstof – Close Eyes To Exit
VÖ: 27. Januar 2017, Mind Of A Genius
www.klangstof.com
www.facebook.com/klngstf

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