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Veröffentlicht am 14.02.2017 | von Janina Sommerlad

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LOWLY – Heba

Look at me
I just need some attention
Whatever makes this broken soul feel again
Flash, cuffs or a mention
And the boyfriend doesn’t even recognise a thing

(Lowly – Deer Eyes)

Magie aus dem All – diese Vorstellung beschreibt bei Lowly nicht etwa einen verpönten Aberglauben, sondern steht als Synonym für die übernatürliche und magische Musik, die sie mit ihrem Debütalbum Heba zur Erde befördern. Unter dem Begriff Noise-Pop liefert das Quintett aus Dänemark elf Songs, die per Anhalter mit komplexen Strukturen und euphorischen Besonderheiten durch die Galaxis schreiten.

Bereits mit ihrer Ankunft 2014 und der ersten Single Daydreamers sowie der darauffolgenden EP Sink Way Into Me vezauberten Nanna, Soffie, Kasper, Thomas und Steffen die Zuhörer mit ihrem interessanten und vielseitigen Sound, der mit Heba nun nochmals eine andere, sehr künstlerische Dimension erhält. Nicht ohne Grund beschreiben Lowly ihr Album selbst als eine Art „Gemälde“, in dem viele unterschiedliche Einflüsse oder gar Gegensätze aufeinandertreffen. Hell und dunkel, weich und kantig, reduziert und voll – mit diesen Kontrastpaaren darf sich nicht nur das kunstvolle Cover schmücken, sondern auch die Musik, bei der starke Drums mit schroffen Bässen im Vordergrund stehen, während abgedrehte Keyboard-Lines sowie sanfte, betörende Frauenstimmen in der Tiefe verzücken.

Wie eine Rakete startet das Album mit dem Song Still Life und schwirrt mit dumpfen Stimmen aus dem Off und berauschenden Tönen direkt ins Ohr. Dort landet kurz darauf auch das eindringliche Stubborn Day (ebenso Mornings), das ein verträumtes Glockenspiel mit groben Drums verknüpft. Während heitere und hallende Klänge in No Hands ein bisschen wie die japanische Winke-Katze hin und her schwingen, liefert #Cait 2 einen Strudel aus unruhigem Geplauder, das kontinurlich lauter und aufdringlicher wird und so augenblicklich an die Atmosphäre in einer Kantine erinnert. Groovige Beats und Synthy-Sound gibt es in der ersten Single Deer Eyes, die das Gefühl von Einsamkeit als Konsequenz einer medialen Ausschlachtung von öffentlichen Personen thematisiert, so Sängerin Soffie in einem Interview mit Toazted. Interpretiert wird das Thema – sehr arty, sehr schräg – im dazugehörigen Videoclip von der Künstlerin Alice Topsøe. Darin präsentiert sie überirdisch-wirkende Latex-Wesen, die einmal schwerelos in die Lüfte schweben und einmal schwer wie Blei dahinschmelzen.

Auf andere Weise tiefsinnig und nachdenklich zeigt sich der Song Word, der mit eingängiger Melodie und offensivem Gesang die politische Situation in Syrien und die darausresultierende Flüchtlingskrise in Europa beleuchtet: “No possessions, hide your rings. Look to the water, go to the water, the little fish will welcome you better, whats the matter? Smile for me, smile for me and your family, you’re in the paper…” Fantasievoll endet das Album dann mit Not So Great After All, in dem Vögel durcheinander zwitchern und Luftheuler vom letzten Silvester aufschreien.

Kurz und knapp: Heba liefert Stücke, die allesamt auf ihre eigene Art und Weise zur Ekstase führen und gleichzeitig Elemente versteckt halten, die erst nach intensiver Auseinandersetzung und mehrmaligem Hören zum Vorschein treten. So spannend, so facettenreich, so magisch, so Lowly!

Lowly – Heba
VÖ: 10. Februar 2017, Bella Union
http://superlowly.tumblr.com
www.facebook.com/lowlyband

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