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Veröffentlicht am 8.06.2017 | von Robert Heitmann

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PIXX – The Age of Anxiety

Now I’m walking round and round it’s like a maze I can’t get out
Everyone is in a rush to have some fun but times are tough
There must be something here for me I’m terrified by what I see
When you catch me walking round please wake me up or else I’ll drown

(Pixx – Waterslides)

Die 21-Jährige Hannah Rodgers hat mit The Age of Anxiety einen Titel für ihr Debütalbum gefunden, der die Gefühlslage heutiger Generationen wohl nicht passender beschreiben könnte. Doch stammt dieser Titel nicht aus ihrer eigenen Feder – 1947 thematisierte bereits Schriftsteller W. H. Auden hiermit in einem Gedicht Selbstfindung und Identitätssuche des Menschen zu Zeiten der Industrialisierung. Einflüsse der Außenwelt, deren Wirkung, sowie verschiedenartige Blickwinkel und Wahrnehmungen darauf, spielen auch auf der zwölf Stücke umfassenden LP der aus einer Kleinstadt südlich von London stammenden Musikerin eine Schlüsselrolle. Rodgers, die an der renommierten The BRIT School ihr Songwriting und Talent früh fördern durfte, schreibt und komponiert unter ihrem Alter Ego Pixx – dem Spitznamen ihrer Großmutter. Bei 4AD hat sie ihr Label-Zuhause gefunden.

Auf The Age of Anxiety vereinen sich schimmernde Synthies mit oftmals eindringlichen Beats, über die sich Rodgers flinker Gesang legt – all das stets mit verspielten und zugleich scharfsinnigen Songtexten. Das Stück Grip erbaut eine verträumte Klanglandschaft, in der sich verschiedene Melodiefragmente – mal getragen von Sample-artigen Gesangspassagen, mal von einer sanften E-Gitarre – zu einem lebhaften Song entwickeln, in dem Rodgers die oftmals vorhandenen Zweifel und Zukunftsängste ihrer Generation thematisiert: “We go through life facing backwards, moving forwards without a clue what is in front of us. I lost myself in this concept.” Spätestens wenn der Refrain mit “I don’t want to feel the need / To grip on tight to everything I see” erklingt, taucht man als Hörer in eine schwebende Melodiewelt, in der man sich ein Stück weit auf eine angenehme Art verloren fühlt.

Rodgers blickt auf Phasen in ihrer Kindheit zurück, in der sie Angstzustände und Albträume heimsuchten: Waterslides thematisiert einen wiederkehrenden Traum, in dem sie sich gefangen in einem Wasserpark wiederfindet. Gesichtslose Gestalten wandern hier umher und ein Ausweg scheint schier hoffnungslos: “Now I’m walking round and round it’s like a maze I can’t get out / Everyone is in a rush to have some fun but times are tough”. Auch musikalisch untermalen Pop-Elemente wie unermüdliche Beats und verspielte Gitarrenriffs die Atmosphäre eines aufgeregten nicht enden wollenden Traums. Waterslides ist der dem Albumtitel wohl am nahestehendste Song – eine Achterbahnfahrt, in der sich die eigenen Gedanken und Ängste zu etwas unkontrollierbaren aufzubauschen scheinen.

Für das Stück Baboo wählt Rodgers eine wärmere, organische Herangehensweise, in der sich mit den ersten Tönen ein stimmungsvoller Klangteppich ausbreitet. Der Wechsel zwischen dem etwas kribbeligen Refrain und der besänftigenden Strophe machen das Stück besonders einprägsam und lebendig. Lyrics wie “Echo, you answer all my calls” bleiben hängen und attestieren der jungen Songwriterin einmal mehr ihr Gespür und Geschick im Umgang mit Worten.

Pixx hat mit The Age Of Anxiety einen faszinierenden Weg gefunden, um sowohl ihre innere Gefühlswelt, als auch prägende Einflüsse ihres täglichen Umfelds zu thematisieren und abzubilden. Aufgeweckte Songtexte und Metaphern treffen auf eine vielfältige Albumproduktion, die dieses Debüt großartig machen.

Pixx – The Age of Anxiety
VÖ: 2. Juni 2017, 4AD
www.pixxmusic.com
www.facebook.com/PixxMusic

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