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Veröffentlicht am 14.08.2017 | von Steffen Sydow

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HEARTBEAST – Zero

Foto-© Robin Hinsch

See I better hate myself
Instead of taking back these days
So let’s do it face to face
Maybe there’s still something to save

(Heartbeast – Lose)

Gut Ding will Weile haben – eine Redensart, die sich Heartbeast aus Hamburg für ihr Debütalbum Zero zum Arbeitsmotiv gemacht haben. Vier Jahre ließ sich das Duo für die Fertigstellung der elf Songs Zeit, um durch eine entschleunigte Herangehensweise seinem Songwriting und kreativen Schaffen das gewisse Etwas zu entlocken.

Für Sängerin und Songwriterin Nala Lakaschus sind es vor allem ihre Texte, die den Stücken eine beachtliche Tiefe geben und innere Gefühlswelten nach außen krempeln: Lakaschus besingt eine gespaltene Beziehung zum eigenen Ich, die hinderlich sein kann, aber eben auch in einem produktiven Output resultiert. Mit Gitarrist und Produzent Helge Hasselberg an ihrer Seite finden ihre Songs durch eine experimentierfreudige analoge Produktion ein detailverliebtes und melancholisches Pop-Gerüst.

So auch in dem Stück Lose, das als erste Singleauskopplung gewählt wurde und vor allem durch eine beachtlich tiefe Klanglandschaft besticht. Bassige Synthesizer geben den Takt an, ehe sich leichte nahezu gehauchte Gitarrenriffs darüberlegen – die Drums wirken zunächst zurückhalten, brechen zum Schluss hin jedoch in eine wohlüberlegte vertrackte Spielweise aus. Lakaschus Stimme hierzu ist beeindruckend vielseitig und berauscht durch eine angenehm soulige Art. Lyrics wie “See I better hate myself / instead of taking back these days / so let’s do it face to face / maybe there’s still something to save” verleihen dem Song weiterhin einen melancholischen und dennoch hoffnungsvollen Charakter.

Mit dem darauf folgenden Song Butcher beweisen Heartbeast ihre vielseitige Herangehensweise im Songwriting. Das Stück ist in seinem Arrangement deutlich repetitiver und in seinem Klangelementen elektronischer ausgelegt. Immer wieder tauchen neue Elemente wie verzerrte E-Gitarren, ein Glockenspiel und mit Effekten bearbeitete Hintergrundgesänge auf – das Resultat ist ein sehr lebhaftes und verspieltes Stück.

Der Facettenreichtum auf Zero scheint nahezu unendlich – dies stellen Heartbeast vor allem mit dem großartigen Song Godfather unter Beweis. Hier leitet ein wie aus einem 60s-Movie entnommenes Streichersample ein besonders sanft in die Gehörgänge gehendes Klanggerüst ein. Bass und Drums klingen wohlig warm und werden durch akzentuierende Gitarrenmotive begleitet. Der Refrain setzt hier vergleichsweise früh rein und zieht sofort in den Bann, sobald Lakaschus singt: “Because I’m not the godfather / I can judge you / even if I want to

Heartbeast ist es geglückt, mit ihrem Debüt einen intensiven Eindruck zu hinterlassen. Bei der Fülle an Klängen, Feinheiten und musikalischen Stilelementen sind die vier Jahre Wartezeiten mehr als gerechtfertigt. Bleibt zu hoffen, dass für den Nachfolger nicht weitere vier Jahre verstreichen müssen.

Heartbeast – Zero
VÖ: 11. August 2017, Hearbeast
www.heartbeast.com
www.facebook.com/Heartbeast

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