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Veröffentlicht am 4.09.2017 | von Robert Heitmann

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ALEX CAMERON – Forced Witness


Foto-© Chris Rhodes

I’m a man on a mission, you’re a stripper out of luck
And we’re good in the back seat but we’re better up front
And there’s blood on my knuckles ‚cause there’s money in the trunk
Keep running out of luck, keep running out of luck

(Alex Cameron – Runnin’ Outta Luck)

Man möchte Alex Cameron stundenlang zuschauen. Nur schwer lässt sich der Blick von seiner Gestalt lösen, wenn der 28-jährige Australier seine Songs auf der Bühne performt, in einem seiner Musikvideos vor atemberaubender Kulisse auf dem Dach eines Autos tanzt oder in die Frontkamera seines Telefons spricht, um seinen legendären Humor in Form kurzer Instagram-Stories in die Welt zu tragen.

Alex Cameron kommt dem, was man einen geborenen Entertainer nennt, erschreckend nahe. Dies stellte er schon mit seinem Solodebüt Jumping the Shark unter Beweis: Erstmalig im Jahre 2013 über Camerons eigene Website veröffentlicht, um drei Jahre später von Secretly Canadian neu aufgelegt und veröffentlicht zu werden, wurde hier das fiktive Bild eines gefallenen Entertainers mit dunklen Sounds, Depressionen und dennoch der bekannten Prise Humor gemalt. Stets an Camerons Seite: Sein – nicht nur – so genannter Businesspartner und Live-Saxofonist Roy Molloy, der auch auf dem für Anfang September angekündigten Zweitling Forced Witness eine entscheidende Schlüsselrolle spielt.

Forced Witness lebt – wie auch das Vorgängeralbum – von den eigentümlichen Charakteren der Songs, die Cameron mit viel Detail und Geschick kreiert. Hierbei fließen tatsächliche Situation und Lebenserfahrungen fernab des Musikgeschäfts, die Cameron und Molloy im Laufe ihrer langjährigen Freundschaft vor allem in ihren Day Jobs gemacht haben, ins Songwriting ein. Wenn nicht auf Tour oder im Studio, verdient Molloy sein Geld als Schaffner, während Cameron auf Erfahrungen im öffentlichen Dienst eines Legal Offices zurückblicken kann (ein Umstand und Statement des Pressetextes zum Album, der zumindest in Teilen der Realität entsprechen soll).

“I think I’m dying / Yeah, ‚cause I’m frail and I’m tired / And I constantly complain about the pain I’m in” – die erste Singleauskopplung Candy May erschafft einen dieser Charaktere, die verloren und gescheitert eine Geschichte erzählen. Cameron besingt hier eine Muse, eine leid- und schmerzvolle Beziehung. Im Kontrast dazu ist die Komposition des Song mit seiner direkten groovigen Bassline und Synthies beschwingt und heiter. Spätestens, wenn Molloys Saxophon-Solo erklingt, finden sich Lyrics wie “So I live with a deep regret / Of all I do on the internet / And I’m filled with a dirty white guilt / She’s a brown on her doily frills” in einem poetisch und musikalisch bis aufs kleinste Detail durchdachten Song wieder. Filmmacherin Meghan McGarry fängt diese dunkle und widersprüchlich humorige Atmosphäre mit einem durch Las Vegas fahrenden und wandelnden Cameron großartig ein.

In Stranger’s Kiss findet Cameron in Angel Olsen eine erstklassige Duettpartnerin, für dessen My Woman-Tour er und Molloy eine vielzahl an Shows eröffnen durften. Die Chemie stimmt somit, wenn Olsen und Cameron sich für Strophe und Chorus in diesem Breakup-Song abwechseln, um dann gemeinsamen schmerzlich festzustellen: “And it hurts, and it hurts / Well I don’t wanna talk about it / Cause in my dreams, I miss you / And I wake up to reality’s bliss / All I ever wanted and all I ever needed was right here / In the stranger’s kiss”. Sanfte Synthesizer, Percussion und ein weiteres Saxofon-Solo reichen aus, um ein bittersüßes und verträumtes Hörerlebnis zu erschaffen.

The Chihuahua, True Lies, Country Figs und Marlon Brando – allein die weiteren Titel des insgesamt zwölf Stücke umfassenden Werkes machen bereits beim ersten Betrachten ungeheuer neugierig auf die Geschichten, die sich dahinter verbergen. So auch der Song Runnin’ Outta Luck, an dem The Killers‘ Brandon Flower mitschrieb und auch einigen Zeilen seine Stimme lieh. Erneut kreiert Cameron einen zwielichtigen Charakter, der mit einer Stripperin durchbrennt und auf einem schmalen Grad zwischen Abenteuer und Verbrechen sein Glück im Unglück der Anderen findet: “I’m a man on a mission, you’re a stripper out of luck / And we’re good in the back seat but we’re better up front / And there’s blood on my knuckles ‚cause there’s money in the trunk / Keep running out of luck, keep running out of luck”.

Alex Cameron und Roy Malloy sind Künstler, für die es sich zu schwärmen lohnt – humorvoll werden hier teils alltägliche, teils außergewöhnliche Erlebnisse der beiden Best Buddies in legendären Songs festgehalten. Sprudelnde Kreativität und eine scharfe Beobachtungsgabe laufen hier zusammen, um Forced Witness zu einem legendären Album zu machen.

Alex Cameron – Forced Witness
VÖ: 8. September 2017, Secretly Canadian
www.forcedwitness.ac
www.facebook.com/ALKCM

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