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Veröffentlicht am 13.12.2017 | von Jonathan Hirschhäuser

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DESTROYER – ken


Foto-© Fabiola Carranza

Let down your curls
Your guests will soon be arriving
On the boulevard of sinners
It’s later than you think
On the boulevard of sinners, it’s sunset…

Strike an empty pose
A pose ain’t always empty
The boy sure knows his roses
The camera lens closes
On bullshit for the night

(Destroyer – A Light Travels Down The Catwalk)

Destroyer ist eine kanadische Indierock Band um Frontmann und Sänger Dan Bejar. Seit den 90er Jahren sind elf Alben entstanden, die hauptsächlich durch Akustikgitarre und Bejars Gesang geprägt sind. Mit ihrem immer weiter verfeinerten Sound und den oft abstrakt-poetischen Texten Bejars haben sie sich in die Herzen der Musikkritiker gespielt. Ihr vorletztes, 2011 erschienenes Album Kaputt war in einigen Indiegazetten weit oben in den Jahrescharts. Nach einer darauffolgenden, eher unspannenden zehnten LP Posion Season versucht Bejar nun mit dem kürzlich veröffentlichen ken die Band neu auszurichten.

Anders als die Vorgänger ist ken nicht durch ein klassisches Bandkonstrukt entstanden, auch wenn jedes Mitglied auf dem Album auftaucht. Vielmehr hat Mastermind Bejar alle Zügel in die eigene Hand genommen und sich den Sound der 80er als Ziel in den Kopf gesetzt. Vor allem durch den breiten Einsatz von nun melodiebeladenen Keyboards wird dieser neue Anspruch deutlich. Eine Akustikgitarre ist nur noch auf Saw You At The Hospital in der Mitte des Albums zu hören. Leider scheint es, als sei genau dieses und das darauffolgende Lied, A Light Travels Down The Catwalk, am meisten durchdacht. Letzteres ist der sich wundervoll aufbauende, geheime Hit des Albums. Der punktgenaue Einsatz der Instrumentierung ohne große Sperenzien lassen die restlichen Songs vermissen. Man darf oft nicht genau hinhören, sonst fällt schnell auf, wie uninspiriert beispielsweise die Gitarren in Cover From The Sun oder die Synthi-Schichten von In The Morning sind.

So richtig überzeugen kann ken nicht. Es wirkt wie das Umbruchswerk, das es buchstäblich ist. Vielleicht müssen sich die Musiker selbst erst an ihren neuen Sound gewöhnen. Vielleicht muss die Musik erst reifen und ist ein typischer Grower, der mit jedem Mal hören besser und besser wird. Vielleicht ist aber auch alles so gewollt und die Musik absichtlich so unterwältigend geraten, damit Bejars poetischen Lyrics scheinen können. Manch ein Musikkritiker wird es bestimmt wissen.

Destroyer – ken
VÖ: 20. Oktober 2017, Dead Oceans
www.facebook.com/pg/Destroyer

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