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Veröffentlicht am 5.02.2018 | von Sophia Sailer

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DREAM WIFE – Dream Wife


Foto-© Joanna Kiely

You were a cute girl standing backstage
It was bound to happen
You had a smile across your face
It was bound to happen
What you wore and how you bore it so well
What did you expect would happen?
You were a cute girl standing backstage
It was bound to happen

(Dream Wife – Somebody)

„I am not my body, I am somebody“ – Dieses Zitat stammt nicht etwa aus Judith Butlers poststrukturalistischen Kassenschlager Das Unbehagen der Geschlechter oder aus den Lyrics einer Riot-Grrl-Band aus den Neunzigern. Viel eher straight outta 2018: Der zweite Song auf dem Debüt von Dream Wife, einer – Überraschung! – feministischen Band, bestehend aus einem mehr oder weniger spontan zusammengeworfenen Trio aus Brighton: Rakel, geboren in Island, aufgewachsen in den USA, übernimmt den Gesang. An den Instrumenten sitzen Alice und Bella. Die drei haben mal eben eine Band aus dem Ärmel geschüttelt, die bereits auf dem SXSW, sowie dem Reeperbahnfestival auftreten durfte und von The Kills auf eine gemeinsame Tour eingeladen wurde. Dabei sollte Dream Wife eigentlich nur ein Kunsthochschulprojekt innerhalb des Studiums werden. Aber jetzt hält die Welt das gleichnamige Baby der Traumehefrauen in den Händen.

Der Name ist hier Programm. Allerlei feministische Statements – mal plakativ, mal weniger offensichtlich – werden zwischen schrammeligen Gitarren, Schnipsern und „Uhhh-ahhh-uhh“-Chören und rebellischem Gekreische verwurstet. Löblich, die drei haben was zu sagen. Angeblich will das Trio musikalisch stilistisch David Bowie und Madonna huldigen…aber mal ganz ehrlich: Ihrer Musik hört man das nicht unbedingt an, selbst wenn poppige Einflüsse eingestreut sind, welche den ansonsten recht borstig, punkigen Charme der Band etwas auflockern.

Der Refrain von Act My Age weckte direkt Erinnerungen an die Single Yuk Foo von Wolf Alice. Kein Wunder: auch die Band um die Frontsängerin Ellie Rowsell hatte sich am Stil des einst revolutionären Genres um das Riot-Girl-Movement bedient und Ähnlichkeiten zwischen den sich ins Gehör schraubenden, schrillen und fast durchdrehenden Klang der Stimmen, sind definitiv nicht von der Hand zu weisen. Dream Wife sind durchaus eine spannende, unterhaltsame Band. Lyrics mit Aussage, vorantreibende, sich jagende Gitarrenriffs und hinter den Instrumenten stehen drei interessante Menschen. Man könnte meinen, das kann nur funktionieren, gerade jetzt. Leider bleiben Ansätze oft Ansätze, Potential wird in zu monotoner Musik erstickt.

Die Idee ist ganz nett, die Hommage wurde verstanden, aber: Muss feministische Musik immer gleich klingen? Nein. Princess Nokia oder auch Ibeyi haben im letzten Jahr nicht nur das Gegenteil unter Beweis gestellt, sondern auch, dass ihre Musik das Potential hat, Hallen zu füllen und zu begeistern. Also warum immer die alte Leier?

Dream Wife – Dream Wife
VÖ: 26. Januar 2018, Lucky Number Music
www.dreamwife.co
www.facebook.com/dreamwifedream

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