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Veröffentlicht am 21.02.2018 | von Susan

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ISOLATION BERLIN – Vergifte dich


Foto-© Noel Richter

Blick nicht zurück
wenn du jetzt gehst.
Stürz dich hinein in Sturm und Wind.
Und spüre wie das Schwarz der Nacht bei jedem deiner Schritte
ein wenig Last
von deinen Schultern nimmt.
Dann läufst du da alleine
durch altbekannte Straßen
und hängst mit schwerem Kopf Gedanken nach.
Da läufst du stundenlang,
bis dich der Schlaf
aufs Kissen zwingt,
und fürchtest dich
vor einem neuen Tag.

(Isolation Berlin – Antimaterie)

Wie rotzige Teenager melden sich Isolation Berlin mit ihrem zweiten Studioalbum Vergifte dich zurück. Die vermeintlichen Jugendlichen von denen hier allerdings die Rede ist, sind Tobias Bamborschke, Max Bauer, David Specht und Simeon Cöster, vier Berliner, die sich lediglich die unbehagliche Befangenheit der vergangenen Zeiten beibehalten konnten.

Schon 2016 erarbeiteten sie sich mit dieser einzigartigen Haltung und ihrem Debütalbum Und aus den Wolken tropft die Zeit, einen Platz in der Deutsch-Pop Sparte. Die neue Platte knüpft nun nahtlos an ihr bisheriges Repertoire an. Sie trinken weiterhin, sie leiden immer noch, sie stellen Fragen an die Welt, an die Menschheit und an die großen Lieben, die ihnen so begegnen; wunderbar verpackt in vieldeutigen Metaphern.

So finden sie für alle Zustände die richtigen Hinweise, wie beispielsweise die Biochemie im Song Serotonin, thematisieren das klassische Drama, in Melchiors Traum und widmen sich der Astrophysik in Antimaterie. Die damaligen Frauen an ihrer Seite, Anabelle, wird in Vergifte dich zwar zu Marie, doch spielt sie nicht eine minder wichtige Rolle und dort wo man die Flasche Rum angesetzt hatte, hört der Track In deinen Armen auf.

Damit hat die vierköpfige Band wieder ihren Platz auf der ganz eigenen Spielwiese zwischen Pop, Psychedelic und Post-Punk verteidigt. Sie fallen auf und bleiben in den Köpfen der Leute, schreien ihnen sogar wie in Die Leute förmlich aus der Seele.

Doch zwischen Spelunkengesang und Chanson liegen bekanntlich Welten; Isolation Berlin scheint allerdings Abkürzungen zu bevorzugen und verpassen damit die ein oder andere Abzweigung, die sie in Richtung Vielfältigkeit befördert hätte. Vergifte dich ist damit eine Platte die ihre aktuelle Fanbase bei Laune hält, doch wie es eben bei trotzigen Halbstarken manchmal so ist, nicht wirklich über den Tellerrand schwappt.

Isolation Berlin – Vergifte dich
VÖ: 23. Februar 2018, Staatsakt
www.facebook.com/ISLTN.BRLN

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