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Veröffentlicht am 28.08.2018 | von Robert Heitmann

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ANNA CALVI – Hunter


Foto-© Maisie Cousins

I tell a lie
I’m a needle in the heart
You’re a shadow in the dark
In a woodchip house
In the garden we hide
With our shoes untied

(Anna Calvi – Eden)

Anna Calvis drittes Studioalbum Hunter könnte ehrlicher und direkter nicht sein. Die für ihre beiden Vorgängeralben mit dem Mercury Prize nominierte britische Musikerin offenbart in den zehn neuen Stücken ein weites Spektrum intensiven Ausdrucks um ihre eigene wahrhaftige Identität und Sexualität. Produziert von Nick Launay in den Londoner Konk Studios, wurden die Lieder mit Portisheads Adrian Utley am Keyboard und Martyn Casey von Nick Cave & The Bad Seeds am Bass live eingespielt.

Mit einem Abstand von knapp fünf Jahren zum Vorgängeralbum One Breath aus dem Jahr 2014 hatten die neuen Songs nicht nur genug Zeit zu reifen und zu wachsen – mit dem zu Bruch gehen einer langjährigen Beziehung fand sich Calvi mit einer schwierigen und gleichzeitigen anregenden Episode ihres Lebens konfrontiert. Eine Augen öffnende Phase, in der die Künstlerin ehrlicher denn je ihre eigene sexuelle Identität erforscht und auch der stereotypischen Wahrnehmung von Geschlechterrollen unsere Gesellschaft auf den Zahn fühlt. Im Pressetext zu Hunter erklärt Calvi “This album is about hunting for something – wanting more – wanting experiences, wanting agency, wanting sexual freedom, wanting intimacy, wanting to go beyond gender, wanting to feel strong…”.

So wird in der erste Single des Albums, Don’t Beat the Girl Out of My Boy, die gesellschaftlich festgefahrene binäre Geschlechterrolle in Frage gestellt und letztendlich zerrüttet – die für ihre besondere Virtuosität an der Gitarre bekannte Calvi präsentiert hier einen intensiven und spannungsgeladenen Rocksong, der kraftvoll und dynamisch zu verstehen gibt, dass ein jeder sich fließend zwischen den Geschlechtern identifizieren und bewegen darf.

Für das Titelstück der Platte, dem kraftvollen und wunderschönen Hunter, beschreibt Calvi die Frau als Jägerin – eine starke Person, die in die Welt hinaus geht und ganz genau weiß, was sie will und wie sie es bekommen kann. “…I wanted to find a place between beauty and ugliness”, sagt Calvi über das Stück und erklärt weiter: “I’m tired of seeing women depicted as being hunted by men in our culture. This woman is the hunter.” Der Song möchte im übertragenen Sinne die Erkundung der eigenen Lust und Identität bekräftigen – frei von jeglichem Schamgefühl und Ängsten, die durch veraltete gesellschaftliche Normen verursacht werden. Calvis stellenweise gehauchter und geloopter Gesang verleiht dem Stück eine dunkle und gleichzeitig tiefst sinnliche Stimmung.

Mit dem Song Alpha thematisiert Calvi die Idee des Alpha-Menschen, um zu hinterfragen, warum dieses Konstrukt voller Tapferkeit und Unsicherheit als männliche Eigenschaft angesehen wird. Mit den funkelnden Gitarren bei Swimming Pool erzeugt die Musikerin eine zauberhaft imposante Atmosphäre, die zu gleichen Teilen verträumt und kraftvoll ist, wenn Calvi singt: “Ah the swimming pool / shadows of light / shadows divide on the earth / come down to the swimming pool”.

Mit Hunter hat Anna Calvi ein elegantes und raues Album erschaffen, das inhaltlich brodelt und voller Energie ist – ein persönlicher Befreiungsschlag, der auch unserer Gesellschaft einen wichtigen Denkanstoß in die richtige Richtung gibt.

Anna Calvi – Hunter
VÖ: 31. August 2018, Domino Records
www.annacalvi.com
www.facebook.com/annacalvi

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