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Veröffentlicht am 23.04.2019 | von Lea Kleisinger

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NICK MURPHY – Run Fast, Sleep Naked


Foto-© Willy Lukatis

All these people I’ve avoided
There could’ve been you there somewhere
All these faces I’ve performed with
To tell you the truth, I always have
Wondered if you would hide for me, too, now
The places I’ve been, oh, oh said.
My sanity, it comes to question
But I need to have someone to burn up all my good attention
It’s like honey inside my head
But could you give it up to change the pace
Before you crawl into my bed?

(Nick Murphy – Sanity)

Es gibt wohl wenige Künstler, die so öffentlich ihre Suche nach Zufriedenheit und Selbstfindung austragen, wie es Nicholas Murphy über die vergangenen Jahre getan hat. Der Verzicht auf seinen Erfolg unter dem Pseudonym Chet Faker ist nur ein Beispiel seiner Zerrissenheit. Er soll sein Debütalbum mehrmals wieder verworfen haben und regelmäßig mehrere Versionen seiner Songs aufnehmen, um sich am Ende für die Beste entscheiden zu können. Aber all dieser Zwiespalt und Perfektionismus machen Nick Murphy nun mal auch aus, denn er bleibt nie stehen. Für sein neuestes Album Run Fast, Sleep Naked hat er sich, mit einem Mikrophon im Koffer, ganze vier Jahre auf Weltreise begeben und sich von jeder Bucht und jedem Hotelzimmer inspirieren lassen. So nahm er viele Vocals des Albums auf seinem Selbstfindungstrip bei spontanen Kreativitätsschüben auf.

Den Anfang macht der wirklich schöne Track Hear It Now. Pure Vocals gehen relativ schnell in den emotionalen Refrain über, bis der Einsatz von Drums und Bläsern den Track abrunden und dann virtuos ausklingen lassen, obwohl man gerne noch weiter zugehört hätte. Der gelungene Einstieg wird von dem großartigen Lied Harry Takes Drugs on the Weekend weitergeführt. Minimalistische Streicher und Murphys schöne Vocals werden in eine wunderbar verzerrte Bläsermelodie übergeleitet: „Guess I´m loosing, guess I´m loosing my mind.“ Auch in dem schon länger veröffentlichten, poppigen Song Sanity behandelt er seine Psyche und stellt seine geistige Gesundheit in Frage. Gar nicht merkwürdig, wenn man sich mehrere Jahre lang konstant von Veränderungen umgeben sieht und keinen Ort sein Zuhause nennen kann.

Gegen Ende werden die Lieder ruhiger, sehnsüchtiger und etwas balladenartig. Seine Vocals scheinen von Herzschmerz und Einsamkeit geleitet zu sein. Ein weiteres Highlight, Message You At Midnight, schließt das Album ab. Der gefühlvolle Track besteht aus Murphys zarten Vocals, Streichern und Bass. Gezupfte Violinen und treibender Bass sorgen für eine ansteckende Harmonie. Hier und bei all seinen Songs hört man, dass sie eine besondere Tiefe besitzen. Das schafft der Multiinstrumentalist, indem er mit mehreren Musikern gemeinsam die Melodien aufbaut und aufnimmt.

Die Weltreise tat seinem musikalischen schaffen zweifellos gut. Die Lyrics der Lieder sind so ehrlich und direkt, dass sie wieder poetisch werden. Man fühlt mit ihm, versteht ihn und in all der Schwere schafft er es mal wieder, tanzbare Leichtigkeit zu erzeugen. Musik machen ist Nick Murphys Berufung. Er tut es nicht für das Geld und die Aufmerksamkeit, sondern für sich. Deshalb haben wir das Glück ihn dabei verfolgen zu können, wie er langsam zu seinem Glück findet, aus langweiligen Verhaltensmustern ausbricht und sich auf neue, unbekannte Wege macht. Weiter so.

Nick Murphy – Run Fast, Sleep Naked
VÖ: 26. April 2019, Future Classic
www.nickmurphy.com
www.facebook.com/Chetfaker


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