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Veröffentlicht am 4.06.2019 | von Lea Kleisinger

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KISHI BASHI – Omoiyari


Foto-© Max Ritter

The word that you had found for me
That favorite sound of mine
It swayed under your canopy
To fill the end of time
I was the only one this century
To remind you all is fine
With any truth there is a mystery
With a vision so divine
I wish that I had met you
When your heart was safe to hold
When you were simple and fancy
In that field of marigolds

(Kishi Bashi – Marigolds)

Kishi Bashi ist eine Zusammenstellung des eigentlichen Namens des Musikers Kaoru Ishibashi. Seine Familie immigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA und bekam noch am eigenen Leib die Internierungslager, in denen die japanisch-amerikanischen Einwohner nach der Pearl Harbor Attacke zum Aufenthalt gezwungen wurden, mit. Unter der jetzigen Regierung der USA wurde Kishi Bashi schnell bewusst, wie schnell sich die Geschichte doch wiederholen kann. Er machte es sich zur Aufgabe in seinem neuen Album Omoiyari sowohl die momentane Situation von Minderheiten in den USA als auch Generationsunterschiede und Geschichten der Vergangenheit zu thematisieren. Deswegen auch der japanische Name des Albums. Omoiyari bedeutet so viel wie Rücksicht und Einfühlsamkeit. Es ist, wie vieles in der japanischen Sprache nicht direkt übersetzbar, aber von ihm nochmal genauer erklärt worden: „(omoiyari) refers to the idea of creating compassion towards other people by thinking about them. I think the idea of omoiyari is the single biggest thing that can help us overcome aggression and conflict.”

Musikalisch hat sich Kishi Bashi etwas von seiner Melodieschaffung durch Looping entfernt und sich andere Musiker ins Boot geholt. Unter anderem Bass, Banjo und Cello verfeinern jetzt seine Kompositionen. Seine Handschrift durch die dichte und trotzdem schwebend leichte Violine und seinen zarten, hellen Vocals bleiben jedoch nach wie vor erhalten. Der erste Teil des Albums klingt trotz der inhaltlichen Schwere sehr luftig und sorgenlos. Der Charakter der Lieder ist ziemlich gleichbleibend, aber schön. Marigolds beginnt mit einer wunderbar überlappend gezupften Violine und gedoppelten Vocals. Ein anderes Highlight des Albums ist Summer of  ’42. Der Song bedeutet ihm sehr viel: „It’s a love story set in WWII about falling in love in an incarceration camp and ultimately losing that love. The significance is that the idea of love, loss and desire are consistent themes throughout history and help us to empathize with people in a disconnected past.“ Erstmals bekommt das Album einen etwas tiefergehenden Klang und man bekommt einen Hauch seiner alten Experimentierfreudigkeit zu spüren. Auch darauffolgende Lieder wie A Meal For Leaves und Violin Tsunami strahlen einen anderen musikalischen Charakter aus. Nach dem etwas düsteren und anspruchsvolleren Mittelteil endet das Album jedoch mit einem etwas befremdlichen Countrylied.

Auch wenn Omoiyari kein von vorne bis hinten perfektes musikalisches Meisterwerk ist, der dahinterstehende kreative Prozess dreht sich um ein unfassbar wichtiges und aktuelles Thema. 2020 kommt eine Dokumentation über die Entstehung des Albums und die damit verbundenen Interviews mit Überlebenden heraus und bis dahin sollten wir uns von Kishi Bashis friedlichen und einfühlsamen Überzeugungen inspirieren lassen.

Kishi Bashi – Omoiyari
VÖ: 31. Mai 2019, Joyful Noise
www.kishibashi.com
www.facebook.com/mrkishibashi


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