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Veröffentlicht am 2.08.2019 | von Anne Beier

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CLAIRO – Immunity

Can you see me? I’m waiting for the right time
I can’t read you, but if you want, the pleasure’s all mine
Can you see me using everything to hold back?
I guess this could be worse
Walking out the door with your bags

(Clairo – Bags)

Heute veröffentlicht Clairo wahrscheinlich das Bedroom-Pop-Album des Jahres 2019. Die Erwartungen liegen hoch: Ihre musikalische Ansage an einen toxischen Ex ging viral (Pretty Girl hat inzwischen 36 Millionen Klicks auf YouTube), es folgten Debatten darüber, ob ein Majorlabel hinter der Künstlerin stehe oder der Algorithmus einen Star aus der 19-Jährigen gemacht hat. Eine millionenfach gestreamte EP, eine Coachella-Performance, eine Millionen Instagram-Follower und ausverkaufte Touren durch Nordamerika, Europa und Asien später erscheint heute bei Caroline das Debütalbum Immunity. Darauf erweitert die Amerikanerin, die eigentlich Claire Cottrill heißt, ihr Soundspektrum, ohne die Intimität im Songwriting zu verlieren.

Die Platte startet mit dem atmosphärischen Alewife mit Piano, verzerrten Gitarren und mit einem für solche Songs ungewöhnlich dominanten Schlagzeug. Das rhythmische Element der interessanten Drumsspuren, der stets moderne Elektroanstrich und die träumerische Grundstimmung mit Texten über Liebe und Freundschaft sind neben Clairos unaufgeregtem Gesang die Elemente, die sich als roter Faden durch das Album ziehen. Der Klang bleibt immer soft, Clairo bedient sich aus den verschiedensten Genres – ein Unterfangen, das ihr außergewöhnlich gut gelingt, denn aufgesetzt klingt hier nichts. Das Intro von Feel Something könnte auch von Nicolas Jaar stammen. Dieser Track ist der vielleicht wechselhafteste des Albums und symbolisiert das, was auf Immunity so gut funktioniert. Hier kommen alle Elemente inklusive elektronisch verzerrtem Sprechgesang dicht zusammen, kreieren aber keine großen Brüche. White Flag ist ein moderner Lo-Fi-Popsong, elektronische RnB-Anleihen hört man auf Closer To You, auf Sofia, einem Song über ihre erste Verknalltheit in Frauen, die sie in den Medien gesehen hat, und der Vorab-Single Bags tauchen wohlbekannte Indie-Gitarren auf. Auf Bags sind außerdem Danielle Haim an den Drums zu hören. Das Album wurde koproduziert vom ehemaligen Vampire Weekend-Mitglied Rostam.

Clairo veröffentlicht mit Immunity ein Hochglanzalbum, das sich von dem hausgemachten Charme der Vorgängerveröffentlichungen emanzipiert. Dabei schafft sie es, sich durch die geschickte Kombination zahlreicher Anlehnungen an verschiedene Genres einen ganz eigenen Sound zusammenzubauen, der abwechslungsreich und markant ist. Und auch wenn die Lyrics häufig etwas an der Oberfläche bleiben, ist Immunity ein Debütalbum, das man am besten am Stück hört – auf Repeat.

Clairo – Immunity
VÖ: 02. August 2019, Caroline
www.clairo.com
www.facebook.com/clairecottrill2

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