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Veröffentlicht am 9.08.2019 | von Anne Beier

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JADE IMAGINE – Basic Love

Look out the window to pass the time
Raise your eyes to planes so high and
I don’t know why I can’t stay here tonight
We get the feeling we’re not doing enough it’s just
Rush rush rush, fill your day with stuff and
I don’t know why I can’t stay here tonight

(Jade Imagine – Remote Control)

Bereits mit ihrer EP What The Fuck Was I Thinking haben Jade Imagine 2017 gezeigt, wie man 80er-Jahre-Retro-Klänge in die Gegenwart befördert. Nun veröffentlicht die Band um Songwriterin Jade McInally ihr Debütalbum Basic Love, das beweist, dass der Mix aus Synthwave und Artrock auch als Langspielplatte funktioniert. Das Album lebt von dualistischen Ansätzen: Verspielter Synthiepop und dunklere New-Wave-Klänge schaffen eine lässige, fast schon unbeschwerte Atmosphäre, während McInally ironisch und clever das Zeitgeschehen kommentiert. In The News beschreibt sie beispielsweise das Dilemma der konstanten Horrormeldungen der Nachrichten, dabei möchte die beste Version von ihr selbst doch politisch informiert sein. Gepaart mit starken und experimentierfreudigen Gitarrenriffs hört man das Augenzwinkern heraus. Eine musikalische Unbeschwertheit, die bei den Songs Get Out Of Your Head und dem Opening-Track Gonna do Nothing wieder zu hören ist. Letzteres ist eine vom Krautpop inspirierte Hymne, bei der treibende Gitarren auf eine roboterhafte Taubheit treffen, die an Sonic Youth erinnert und trotzdem entspannt klingt.

Mit einer Besetzung aus Liam „Snowy“ Halliwell (The Ocean Party, Ciggie Witch) am Bass, Produzent/Gitarrist Tim Harvey (Emma Louise, Real Feelings) und James Harvey (Teeth and Tongue) am Schlagzeug klingt Basic Love dynamisch und modern – die Musik bildet einen Kontrast zu den oft recht düsteren Beobachtungen in den Texten. Das beste Beispiel ist die aktuelle Single Remote Control, der Song auf dem Album mit dem größten Ohrwurmfaktor. Hierzu sagt McInally: „Remote control is a song about the conflict between reality & escape and the two worlds we live in; dreaming and denial in a world of practicalities and productivity. It’s an exploration into synth territory. We wanted this track to be equal parts spooky and catchy, like taking a night-drive in a 1980’s sci-fi film.“ In eine ähnliche Richtung geht The Weekend, ein Song, in dem das Konzept 9 to 5 in Frage gestellt wird – warten wir wirklich alle immer nur aufs Wochenende?

Bei der Produktion von Basic Love wurde jeder Track live mit ausschließlich analogen Instrumenten aufgenommen. Nach McInallys Vision, alle Lieder in analoge Wärme zu betten und trotzdem auf moderne und Retro-Technologien anzuspielen, hat Tim Harvey das Album produziert und gemischt. Herausgekommen ist der intime Sound von Lo-Fi-Aufnahmen. Die deutlichen 80er-Jahre-Anleihen gepaart mit der dunklen, aber lässigen Poesie der Lyrics machen Basic Love zu einem außergewöhnlichen Album, das sowohl musikalisch als auch inhaltlich am Puls der Zeit und gleichzeitig zeitlos erscheint. Anders als bei anderen Debütalben findet man hier keine Ansammlung von Singles, keine Werkschau, sondern ein Album, das eine Geschichte erzählt, weil es das Einfache im Abstrakten findet und umgekehrt.

Jade Imagine – Basic Love
VÖ: 02. August 2019, Marathon Artists
www.jadeimagine.com
www.facebook.com/jadeimagineband

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