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Veröffentlicht am 6.09.2019 | von Elias Ott

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5K HD – High Performer


Foto-© Clemens Fantur

There is no room for us
It’s either you or me
There is no place like this
Would you please shut up?
Mistake the city winds for an ocean storm
Where was I? Where has I been?
Are you in? Are you out?

(5K HD – In, Out)

Gegen Ende zieht sich das Luftschloss in die Wolken zurück. Zwischen gezupften Saiten und gemächlichen Drums schieben sich Synthesizer-Bässe; ein Song, wie er aus der Feder des britischen Producers Bonobo stammen könnte. Auf einer hymnischen Popwolke namens Selfish Lover hält das Gebilde kurz inne – „Make it disapear, you got it, you got it“ – und verschwindet schließlich in Kill Your Rituals zwischen fernen Film-Noir-Trompeten: „My body’s weak, my head is full, my heart is cold and the air is thin.“ Zurück in der dünnen Luft bleiben weniger schwache Glieder als prall gefüllte Köpfe, in denen musikalische Versatzstücke aus Jazz, R’n’B, Pop und Trap herumschwirren. Aber wie sind wir hierhergekommen?

Noch einmal alles auf Anfang: Schon bei der Veröffentlichung ihres Debüts And To An A schienen 5K HD vielen Rezensent/Innen nur mit Begriffen wie Supergroup oder Pop-Experiment fassbar. Gekonnt entzog sich das Quintett mit zwischen eingängigem Pop, entspannten Jazz-Grooves und ausgetüftelten Beats changierenden Sound geläufigen Kategorien. Auch die Bezeichnung als Supergroup erschien insofern gerechtfertigt, zogen hier doch die Mitglieder der Wiener Jazz-Kombo Kompost 3 gemeinsam mit der Singer-Songwriterin Mira Lu Kovacs gleichberechtigt ein über die Musikszene Österreichs hinausstrahlendes Projekt auf. Der Gegensatz zwischen den warmen Klängen und dem klinischen Produktnamen 5K HD spiegelte sich dabei auch musikalisch wider, wenn Rhodes Piano und Trompete auf präzise eingesetzte Synthesizer trafen.

Mit High Performer erscheint nun ein Nachfolger, der die bewährte Melange einerseits fortführt, aber die Zutaten neu zusammenwirft. Schon der Opener 10/15 macht deutlich, dass sich die simple Warm/Kalt-Zuschreibung erschöpft hat: verfremdete Voice-Samples geistern durch das Intro; Synthesizer-Flächen bahnen sich ihren Weg. Nur wenige Takte später schaffen Lukas Königs klare Drums Platz für Kovacs‘ zarten Gesang, den wiederum eine glockenhelle Melodie auf dem Rhodes untermalt. Zum Finale glitzert es über den melancholischen Bläsern, im Hintergrund rauscht ein Filter hinab.

Mehr Synthetik, mehr Verfremdung – aber auch mehr Klarheit. Verträumte Songs wie Boulevard erinnern zunächst an die filigranen Klanggemälde eines Flying Lotus, doch der vertrackte Beat löst sich bald in einem minimalistisch brummenden Chorus auf. Auch die kontrollierte Überblendung beider Ebenen am Ende zeigt, welche Präzision und Planung hinter der musikalischen Ambiguität stecken. Wird es zwischen zwitschernden Synthesizern und breiten Bässen wie in I Am Emotional kurz ruhiger, kehren die Arpeggios zurück und treiben den ganzen Song nach vorne durch Wogen wild gefilterter Drum-Kaskaden. Erst Effortlessly bietet mit schwelgenden Bläsern über arcade-artigen Läufen Zeit zum Luftholen.

Bisweilen drängt sich bei eingängigen Songzeile wie in Crazy Talk die Befürchtung auf, das Quintett wäre bei der Flucht durch die Schubladen nur in eine neue, cleanere gestolpert. „Crazy Talk from a pessimist“? Doch weder poppige Zeilen noch markttaugliche Harmonien wie in How Can I Be bleiben widerspruchslos stehen: am Ende dröhnen elektrische Bässe, krachen die Drums – und werden schließlich durch die einsame, künstlich in klebrig süße Höhen geschraubte Gesangszeile „How can I be your friend today?“ abgebügelt. Nur fünf Sekunden reichen, um den vorangegangenen Kuschelkurs mit der Masse zu ironisieren.

Doch auch die Absicht, mit jeder zuvor eingeführten Formel wieder zu brechen, läuft letztendlich in Gefahr, selbst zum vorhersehbaren Schema zu werden. Und bei all dem kontrollierten Chaos, das sich dann um Kovacs‘ klare Stimme entwickelt, kann man auch die Intimität der Bläsersätze, die sie einst durch den Vorgänger trugen, vermissen. Gesteht man der Band jedoch die konsequente Weiterentwicklung ihres Sounds zu, bleibt vor allem das Staunen über Höhepunkte wie In, Out. Unmittelbar zerreißen hier Noise-Fetzen die verführerisch langgezogenen Zeilen „There is a lot of room for both of us“, während Kovacs zu wiedererweckten Dubstep-Bässen rappt „There is no room for us, it’s either you or me“.

Größer als jeder Zweifel ist daher die Vorfreude, all diese verschiedenen Facetten live erleben zu können – nach ihrem Debüt tourte die Band eineinhalb Jahre lang. Auf ihrem zweiten Album zeigen sich 5K HD nun zwar glatter, zugänglicher – aber niemals länger als einen halben Song. Kaum scheinen sie sich in einem Genre niedergelassen zu haben, ziehen die Fünf schon wieder weiter, um ihr Können mitsamt ihren Hörer/Innen erneut vorzuführen.

5K HD – High Performer
VÖ 06. September 2019, fiveK Records
www.5khd-music.com
www.facebook.com/5khdmusic

5K HD Tour:
18.-21.09. Reeperbahn Festival, Hamburg
02.10. Dieselstrasse, Esslingen
09.10. Ampere, München
10.10. Yuca, Köln
11.10.Berghain Kantine, Berlin
12.10. Die Tonne, Dresden

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