Kritik no image

Veröffentlicht am 20.11.2019 | von Julius Tamm

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ARCTIC – Filmkritik

Alles wird gut

(Overgård – Arctic)

Was hat es nur auf sich mit Mads Mikkelsen und kalten Regionen im Filmtitel? Letztens erst Polar auf Netflix und jetzt Arctic. Vielleicht liegt es an der gewissen Kühle, die der dänische Schauspieler ausstrahlt und die ihn so passend für düstere, eisige Filme macht. Regisseur Joe Penna weiß diese Eigenschaft seines Hauptdarstellers auf jeden Fall gut zu nutzen und liefert uns ein besonderes Survival-Drama. Wir haben uns Arctic zum Heimkino-Release noch einmal angesehen.

Arctic zu schauen ist wie ein Buch von Franz Kafka zu lesen. Es beginnt mit einer schlechten, wenn nicht sogar ausweglosen Situation und wird im Laufe der Handlung immer schlimmer. Ohne Vorgeschichte werden die ZuschauerInnen mitten rein in die Unwirklichkeiten der Arktis geworfen und erleben den Alltag eines namenlosen Mannes (Mads Mikkelsen). Nach und nach erschließt sich, dass er dort mit seinem Flugzeug gestrandet ist und nun versucht, seinem eisigen Gefängnis zu entkommen. Wenn der Pilot nicht gerade ein riesiges SOS in den Schnee schaufelt, probiert er mithilfe eines Senders nahe Flugzeuge oder Hubschrauber zu orten. Doch um ihn herum ist nichts als Schnee und ein hungriger Eisbär.

Als eines Tages ein Hubschrauber über das Notlager fliegt, scheint die Rettung nah zu sein. Beim Versuch, zu landen, stürzt die Maschine jedoch ab und nur eine der zwei Besatzungsmitglieder überlebt schwer verletzt. Nun sieht sich der Gestrandete vor die Wahl gestellt – entweder er verharrt mit der Verletzten (Maria Thelma Smáradóttir) in seinem improvisierten Camp ohne Medikamente und Hoffnung auf Rettung oder er bringt die Pilotin zu einer Forschungsstation mehrere Tagesmärsche entfernt.

Nach dem Schauen von Arctic ist einem erstmal kalt – sowohl physisch als auch seelisch. Durch die gut inszenierte Atmosphäre und das reine Spiel ohne Worte geht dieser Film direkt unter die Haut. Das Problem ist, dass es irgendwann zu kalt wird. Es fehlen die Glücksmomente, die Hoffnungsschimmer, die einen mitfiebern lassen. Nach jedem Unglück und jedem Scheitern von Mikkelsens Figur schwindet der Glaube daran, dass eine Rettung noch möglich ist. Gerade jetzt in der gemütlichen Jahreszeit braucht es eigentlich keinen Film, der einen daran erinnert, wie düster und kalt es im Moment ist. Noch dazu birgt es das Risiko der Langeweile. Wo bleibt die Spannungskurve, wenn eh immer alles schiefgeht? Atmosphärisch und darstellerisch ist Arctic ein Meisterwerk, doch leider ist die Handlung zu monoton und hoffnungslos.

Arctic (ISL 2018)
Regie: Joe Penna
Darsteller: Mads Mikkelsen, Maria Thelma Smáradóttir

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und trinkt zu viel Tee. Schreibt für bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt und bei hr-iNFO Online



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