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Veröffentlicht am 15.11.2019 | von Andreas Peters

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MILKY CHANCE – Mind The Moon


Foto-© Anthony Molina

Nothing ever seems to be easy
All I do is stand in the rain
I don’t really know how to get there
Just tell me ‚bout the rules of the game

(Milky Chance – The Game)

Vorstellen muss man diese beiden Jungs eigentlich längst nicht mehr: Philipp Dausch und Clemens Rehbein, das sympathische Duo hinter dem globalen Phänomen Milky Chance, die seit ihrem viralen Durchbruch im Jahr 2013 federführend an einem der größten deutschen Pop-Märchen der jüngeren Musikgeschichte schreiben. Ausverkaufte Touren und Festivalauftritte quer über den Globus, Gold- und Platin-Auszeichnungen in verschiedenen Ländern, Auftritte in amerikanischen Late-Night-Shows bei Kimmel, Fallon oder O’Brien, von Hundertmillionen Klicks und Streams gar nicht erst zu reden.

Nach dem Debüt Sadnecessary und dem Nachfolger Blossom vor zwei Jahren nun also das dritte Studioalbum des gefragten Kasseler Pop-Exports. Keine Frage, die Erwartungshaltung ist nach wie vor riesig und man darf sich zu Recht fragen, ob das Rezept von Milky Chance auch diesmal wieder aufgeht. Zeigte sich das Erstalbum noch dezent minimalistisch, ging der Sound auf Blossom bewusst in die Breite, mit mehr Raum für Arrangements. Und Mind The Moon? Man könnte sagen, dass hier vieles zusammengefügt wird und die Stile der ersten beiden Erfolgsalben zu einem vereint werden, ohne dass die Milky Chance-DNA erkennbar darunter leidet. Rehbein und Dausch haben selbst über ihr neues Werk gesagt, es bringe den minimalistischen Geist des Erstlings und den poppigeren Nachfolger wieder in Einklang, „the best of both worlds“ sozusagen.

Ein dröhnender Beat, weiche Synth-Sounds, klare Gitarrenakkorde und die unverkennbar lässige, auch mal knarzige Gesangsstimme von Clemens Rehbein, die sich durch eingängige Melodien fräst – gleich im eröffnenden Fado legen Milky Chance ihr Potential für ikonische Pop-Songs offen, die sich in all ihrer Spannung zwischen subversiver Gelassenheit und hymnischer Euphorie ins Ohr graben. Unverkennbar ist auch auf Mind The Moon auch der Flow, den die folgenden elf Songs erzeugen. Ob Rock, Pop, Hip-Hop oder Reggae: Bei Milky Chance erübrigt sich jegliche Genre-Einordnung, weil die Band sich klanglich munter an allem bedient, was ihren Sound noch weiter nach vorne bringt. Das beste Beispiel hierfür ist der dritte Song The Game, der einen mit konstantem Off-Beat lässig vor sich hertreibt. „Nothing ever seems to be easy“ singt Rehbein zwar hier im Chorus, doch beim Hören entsteht der Eindruck, dass es eben genau das verlockende Gefühl der Einfachheit ist, was der Song eindrücklich vermittelt.

Der Sound des Kasseler Pop-Phänomens hat auch auf dem Drittwerk wieder an mehr Tiefe gewonnen. Das zeigt nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit der ebenfalls international gefeierten Tash Sultana für Daydreaming, Témé Tan auf dem Stück Rush sowie dem südafrikanischen Chor Ladysmith Black Mambazo auf dem vergleichsweise fast schon andächtigen Eden’s House. Dabei gelingt es der Band trotzdem, eine Milky Chance-typische Lässigkeit zu zelebrieren. Herausgekommen ist ein gutes Pop-Album, das an vielen Stellen fesselt und begeistert. Leider bleibt am Ende aber auch das etwas schale Gefühl, dass die Lieder als ganzes oft nicht lange hängen bleiben und über den charakteristischen smoothen Pop-Vibe nicht hinauszukommen scheinen. Eine Reise sind diese zwölf Stücke trotzdem wert. Es sind wirklich „the best of both worlds“, die hier zusammenkommen, da Mind The Moon sowohl eine Rückkehr zu den stilistisch minimalistisch Wurzeln der Band beinhaltet, als auch die Öffnung für vielfältige Elemente aus Rock, Pop oder Reggae zelebriert wird.

Milky Chance – Mind The Moon
VÖ: 15. November 2019, Vertigo Berlin
www.milkychance.net
www.facebook.com/milkychancemusic

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