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Veröffentlicht am 21.01.2020 | von Andreas Peters

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LOLA MARSH – Someday Tomorrow Maybe

Foto-© Michael Topyol

And we couldn’t find
What we were looking for
We failed to read
The writing on the wall
So we tried to hold on
Tried to hold on

(Lola Marsh – Hold On)

Wenn selbst die New York Times voller Lob für eine Band ist, dann muss da wirklich einiges dran sein. „Sweeping, cinematic music dripping in retro charm“, beschreibt das amerikanische Blatt den Sound von Lola Marsh. Der zurzeit wohl bekannteste musikalische Pop-Export aus Tel Aviv konnte sich in den letzten Jahren mit wehmütig aufgeladenen Melodien und einem ganz eigenwilligen Stil von einem echten Insidertipp nach ganz oben katapultieren. Mit dem 2017 erschienenen Debüt Remember Roses hat das Duo bereits die großen Festivalbühnen in Europa und Nordamerika bespielt. Neben Gil Landau, maßgeblich für die instrumentale Vielfalt des Zweigespanns verantwortlich, führt an seiner Seite vor allem Sängerin Yael Shoshana Cohen federführend Regie. Ihr besonders warm gefärbtes Timbre, gepaart mit atmosphärischen Harmonien und nachdenklichen Ausflügen ins Innere, erschafft verzaubernde klangliche Panoramen, die uns mit einem magnetisierenden Retro-Charme einlullen. Die Verzauberung ist jedoch an jedem Punkt real. Hier trifft auratische Nostalgie auf ungeschliffene Authentizität.

Das lang erwartete zweite Album des israelischen Duos, Someday Tomorrow Maybe, zeigt gleich zu Beginn, dass auch hier gekonnt die Waage zwischen traumvergessenem Folk-Pop-Vibe und aufrichtigem Gefühl gehalten wird. Der erste Track Echoes ist eine energetische Pop-Hymne,  die irgendwo zwischen Dream-Pop-Ästhetik, Indie-Anleihen und Pulp Fiction-Soundtrack einzuordnen ist und präsentiert einfühlsam die eigene Unfähigkeit, sich einem Gegenüber zu nähern. Mit der folgenden Ballade Only For A Moment legt sich der Sturm etwas. Mit viel Feinfühligkeit für harmonische gesangliche Arrangements tragen Lola Marsh hier eindrucksvoll die Sehnsucht nach zwischenmenschlicher Nähe vor. Diesen Themen kann durchaus viel Kitsch anhaften. Es gelingt dem israelischen Duo jedoch, trotz dem manchmal geschwollenem Sound, der durchaus von epischer Dimensionen ist, nie das Gefühl für tiefer gehende, nachdenkliche Inhalte zu verlieren.

Ein fantastisches Beispiel dafür ist das getragene Hold On, einer der stärksten Songs der Platte, das von einem ruhigen, klavierbetonten Stück zu einer opulent orchestrierten Symphonie anschwillt. „For why we thought we had it all, a thousand lies / They only fed the height that couldn’t last / Are we what we pretend to be?“ Melodramatik ja, aber gehaltvoll bereichert durch zärtliche Verletzlichkeit. Dann gibt es auch noch Songs die einfach nur wundervoll dahinfließen, wie Strangers On The Subway, What Am I oder In Your Eyes, die vor allem von zurückhaltenden Gitarrenakkorden und Cohens fragiler Stimme getragen werden. Auch das fast schon unscheinbare Four Long Seasons ist ein Highlight und zeigt wie sehr sich auf diesem Werk musikalische Dramatik und einfühlsame Songwriter-Harmonien die Hand reichen. Lola Marsh gelingt hier auf Someday Tomorrow Maybe ein wirklich großer zweiter Wurf. Wer sich live von dem Duo überzeugen möchte, hat im März auf drei Deutschland-Terminen die Gelegenheit dazu.

Lola Marsh – Someday Tomorrow Maybe
VÖ: 24. Januar 2020, Barclay
www.lolamarsh.com
www.facebook.com/Lola8Marsh

Lola Marsh Tour:
16.03.20 Bi Nuu, Berlin
17.03.20 Nochtspeicher, Hamburg
18.03.20 Artheater, Köln
28.03.20 egoFM Fest, München

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