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Veröffentlicht am 25.06.2020 | von Susan

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ALBRECHT SCHRADER – Diese eine Stelle

Der Ort, wo meine Jugend glüht,
ist nicht, wo Hamburg brennt
Tränen fließen unverblümt in mein Polohemd

(Albrecht Schrader – Auf dem Golfplatz)

Foto © Frederike Wetzels

Das Leben von Albrecht Schrader liest sich wie das Leben eines Musik-Strebers. Aufgewachsen in Hamburg, absolvierte er an der Universität zu Köln ein Studium der Historischen Musikwissenschaft, Theater-, Film-, Fernsehwissenschaft und Klassischen Literaturwissenschaft, um 2016 unter anderem seine EP Leben in der Großstadt zu präsentieren. Im selben Jahr leitete der ambitionierte Multiinstrumentalist für das Kultformat neo magazin royale das Rundfunktanzorchester Ehrenfeld. Spätestens mit diesem Schritt wurde Schrader für die breite Masse ein Symbol, wie man den eingestaubten Orchestersound wieder gesellschaftsfähig machen kann und ging sogar auf Tour.

2017 veröffentlichte er dann sein Solo-Debütalbum Nichtsdestotrotzdem. Heute, wieder zurück in Hamburg angekommen, folgt nun am 26.06. seine zweite Platte Diese eine Stelle.

Den Longplayer beschreibt er selbst als das große Ganze, beginnend mit dem Aufwachsen in der Hansestadt, mit einen Golfplatz, beschriebt die erste große Liebe, die eine große Liebe und einfach nur die eine riesige Angst vor der Zukunft die man eben manchmal so hat. Dabei bewegt sich der Musiker in allen 12 Tracks zwischen elektrisierenden Pop-Songs im von ihm gewohnten Big-Band-Flair.

Schon zu Beginn schafft er mit dem gleichnamigen Titeltrack einen smoothen Übergang was einen auf der gesamten Platte Diese eine Stelle erwartet. Pop ist nicht aus der einen Feder geschrieben, sondern verbindet viele unterschiedlichen Stile, Epochen und sogar ganze Nationen miteinander. So bleibt es auch im Song Auf dem Golfplatz vielseitig, lyrisch, aber auch musikalisch. Das Ganze wirkt durch seine gefasste Art fast ein wenig entschleunigt. Die Worte wirken stets wohl gewählt und ein besonderes Merkmal findet man auch in der Betonung jeder einzelnen Silbe. In Songs wie Elbchaussee, oder Zäune, versteckt sich nicht nur eine Stadtführung, sondern seine wahren Gefühle. Er lässt an seinem Leben teilhaben, mal unaufgeregt mal aufbrausend, doch immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Er nimmt den Zuhörer mit auf eine ganz persönliche Reise und gibt dabei das Zepter nur selten aus der Hand. Dabei ist nicht immer ganz klar, wie sehr sich der Musiker zwischen Sarkasmus, Zynismus, oder seinen wahren Gefühlen herumschlägt, was in Was denkst du über mich zum Vorschein kommt.

Damit bewegt sich die Platte stets zwischen Kult und Larifari. Wenig Refrain, doch viel Gefühl. Schrader befindet sich auf einer Bühne und das Publikum lauscht ohne Unterlass, den Geschichten, die der Großstädter zu erzählen hat. Die Orte spielen dabei eher eine zweitrangige Rolle. Vielmehr sind die Tiefen und die Erfahrungen entscheidend. Denn ob nun Hamburg, oder Köln, am Ende bleibt was man daraus macht, oder aber in Albrecht Schrader Manier, wie man das Erlebte erzählt.

Albrecht Schrader – Diese eine Stelle
VÖ: 26.06.2020 / Kronkant
www.facebook.com/albrechtschrader/

YouTube video

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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