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Veröffentlicht am 9.07.2020 | von Anne Beier

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DONNA MISSAL – Lighter


Foto-© Erica Hernandez

Only give me love when I’m giving it back
But you say you’ll never be my friend
Always on the train, never on the track
So I’m jumping before the crash
And I know you’re just trying to scare me
But you lost all of your effect
You can bark like a dog, baring your teeth
But I’m never going back again
No, I’m never going back again

(Donna Missal – Hurt By You)

Nach zwei Jahren veröffentlicht Donna Missal ihr zweites Album Lighter. Leichte Pop-Unterhaltung findet sich auf der Nachfolgerplatte ihres erfolgreichen Debüts This Time nicht, dafür jede Menge Power, Herzschmerz und Dann-Eben-Nicht-Attitüde. Die Stimme der aus New Jersey stammenden Künstlerin hat einen kraftvollen Vintagetouch, der mit vielen rockigen, aber auch souligen Elementen zu modernem Pop verschmilzt. In einem Interview mit der irischen RTÉ sagt sie, dass ihre musikalische Vision für Lighter eine Band sei, in der sie Sheryl Crow und Shania Twain als Leadsängerinnen vor einer Band aus Oasis, Nirvana und The Smashing Pumpkins engagiert. Und so außergewöhnlich diese Kombination klingen mag, spiegelt es den Sound des Albums ziemlich gut wider – auch wenn man eher relativ glatten Rock als Grunge zu hören bekommt.

Das Album startet mit der Single How Does It Feel, einer soften Nummer mit Rockgitarren, vollen Klängen und dominanter Basslinie, über die sich Missals Lyrics mit ordentlich Drama legen. Wie die meisten Songs des Albums hat auch der Opener eingängige Melodien, die nach einem klassischen Steigerungsprinzip immer wieder auftauchen und hängen bleiben. Auch Hurt By You wurde vorab veröffentlicht, lebt vom treibenden Beat und macht ziemlich schnell klar, dass es auf der Platte um die Mehrdimensionalität von Liebeskummer und Verlust geht. Missal reflektiert, wie auch das eigene Verhalten dazu beigetragen hat, dass die andere Person in der Lage war, sie zu verletzen. Vor allem die treffenden Lyrics machen Hurt By You zu einem echten Highlight der Platte.

Im Gegensatz dazu ist Best Friend eine emotionale Ballade, die leider etwas zu „soundtrackig“ geworden ist. Hier wäre mehr Minimalismus wahrscheinlich wirkungsvoller gewesen. Damit glänzt das anschließende Slow Motion mit Klavierbegleitung. Man hat das Gefühl, Missal hat einen Whisky getrunken, sich mit Zigarette ans Klavier gesetzt und teilt ihren Schmerz so auf wirkungsvollste Weise. Nach dem textlich so starken Anfang („This is the last conversation we’ll have“) ist hier die sich wiederholende und im Gegensatz etwas zu platt wirkenden Phrase — „They say if you love something, let it go“ — der Wermutstropfen. Trotzdem ist Slow Motion ein berührender Song, der die beeindruckende Stimme von Missal in den Vordergrund rückt. Den gleichen Effekt hat das minimalistische Bloom, das nur mit akustischer Gitarre und ihrer Stimme auskommt. Wenn man sich im Anschluss fragt, wo jetzt nochmal Nirvana bleibt, kommt Just Like You, dessen Intro tatsächlich an die legendäre Unplugged-Session erinnert. Beim Refrain ist der Song dann wieder beim kraftvollen, sehr melodischen Poprock angekommen, aber die Gitarrenriffs bleiben spannend. Zum Abschluss schlägt I’m Not Ready musikalisch noch einmal den Bogen zum Anfang: Hier wird alles aufgefahren, es bleibt eingängig und glatt, aber nicht uninteressant.

Im anfangs erwähnten Interview sagte Missal, dass große Frauen ihre größte Inspiration seien. Mit Lighter hat sie in jedem Fall ein Album vorgelegt, das ihr einen Platz unter ihnen sichert. Leider sind die bildliche Ästhetik und die Ambition etwas lässiger als der dann sehr polierte Sound. Mit ihrer Attitüde und großen Stimme hätte sie sich ein bisschen mehr Rotzigkeit durchaus leisten können. Trotzdem ist Lighter ein Album, das kraftvoll nach vorne pusht, aber auch verletzliche Momente zulässt. Vor allem diese und die tollen Opener-Songs bleiben im Ohr und machen Lust auf mehr.

Donna Missal – Lighter
VÖ: 10. Juli 2020, Capitol
www.donnamissal.com
www.facebook.com/donnamissalmusic

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