Reviews Deadoorian © Sean Stout

Veröffentlicht am 17.09.2020 | von Elias Ott

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DERADOORIAN – Find The Sun

Deradoorian Find The Sun Cover
Foto-Credit © Sean Stout

What do you want to know about meditation?
What do you want to know about the brain?
I only went looking for these things
When I knew I was going insane

(Deadoorian – It Was Me)

Ach, ist doch alles nur so Esoterik-Kram, lässt sich leicht denken, wenn man bei den Recherchen zu Angel Deradoorian über Tarot-Karten und Sternzeichen stolpert. Andererseits erscheint ihr Ratschlag, ihr neues Album Find The Sun am besten mit geschlossenen Augen auf dem Fußboden liegend zu hören, ganz selbstverständlich. Schließlich entfaltete schon Expanding Flower Planet, das 2015 erschienene Debüt der früheren DirtyProjectors-Bassistin, mühelos eine hypnotische Sogwirkung. Bevor also missmutig die eigenen Grenzen zwischen Spiritualität und vermeintlicher Spinnerei ausgelotet werden, sollte man es sich lieber auf dem Teppich bequem machen.

Denn wenn sich die 34-jährige US-Musikerin – die kürzlich mit Interpol– und Yeah Yeah Yeahs-Mitgliedern eine waschechte BlackSabbath-Coverband startete – auf ihre psychedelische Sinn- und Selbstsuche begeht, lohnt es sich, den überrationalen Zweifler beiseite zu lassen. Allein musikalisch hat sich Deradoorian nun gefunden: während Red Den die Platte behutsam mit CAN-artigem Singsang eröffnet und Saturnine Night mühelos einen dieser schier endlosen, treibenden Krautrock-Grooves hinlegt, löst sie sich mit Monk’s Robes schließlich vom konventionelleren Instrumentarium. So, wie der leichthändige Klavierlauf über den Refrain plätschert, schöpfen kleinere Elemente immer wieder das Klangspektrum aus, ohne sich dabei in psychedelischer Abgedroschenheit zu verlieren. Nach den ersten zwanzig Minuten werden die Fäden dann schließlich zusammengeführt, um mit The Illuminator einem neunminütigen Jam Platz zu machen.

„It’s all in my mind / This I know / But I can’t seem to let it go“. Zumindest die Musik strömt, mal leicht und behände, mal unter Spannung. Dabei ist den Songs anzuhören, dass sie im Gegensatz zu Deradoorians ersten Gehversuchen als Solo-Künstlerin nun die volle Bandbreite ihrer New Yorker Gemeinschaft von MusikerInnen ausschöpfen: kein Ego-Trip, sondern die Funken des improvisierenden Kollektivs blitzen hinter den Tracks auf. Aufgenommen wurden sie schließlich ganz auf der anderen Seite des Landes, nördlich von San Francisco. Anstatt die HörerInnen mit dem trippigen Geist eines Sun Ra, der bei keiner spirituellen Sinnsuche fehlen darf, zu überschwemmen, baute Deradoorian die Tracks dort gemeinsam mit dem Jazz-Schlagzeuger Samer Ghadry und dessen Freund Dave Harrington zusammen.

Dabei kennt die fast einstündige Reise keine Lückenfüller: zu selbstbewusst, zu überzeugend fügen sich das ferne Waterlily oder das jazzige Devil’s Market ein. Am Ende findet sich alles in psychedelischer Klarheit wieder: Mask of Yesterday und das krönende Sun bieten keine Spinnereien, sondern ruhen so tief in sich selbst, dass sie längst meditative Qualitäten entwickeln.

In ruhigen Atembewegungen dehnt sich das Album aus, um sich dann wieder zusammenzuziehen, Inne zu halten und erneut auszubrechen. Der Weg zur Sonne ist keine vorsichtige Tastbewegung mehr, sondern wird selbstsicher beschritten. Tiefenentspannt und ganz bei sich stellt Deradoorian so mit Find The Sun unter Beweis, dass sie längst als Solo-Künstlerin ernst zu nehmen ist.

Deradoorian – Find The Sun
VÖ 18.09.2020 – Anti-Records (Indigo)
www.deradoorian.bandcamp.com
www.facebook.com/deradoorian

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