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Veröffentlicht am 16.12.2020 | von Christian Weining

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JOAN OF ARC – Tim Melina Theo Bobby


Foto-© Chris Strong

I so envy
Your restraint
Scuttling up trees
And knee-high kicking
Across cold creaks
And your cheeks slashed
With burnt cork war paint
We each agree our dreams
Define us

(Joan of Arc – Karma Repair Kit)

Ein Überbleibsel aus alten Tagen, ein zeitloses Experiment, das Ende einer Ära. Wie genau das Bandkollektiv Joan of Arc heute einzuordnen ist, darüber gibt es viele Meinungen. Fest steht, mit der Veröffentlichung von Tim Melina Theo Bobby beendet das experimentelle Kollektiv nach 25 Jahren seine Geschichte mit einem Good-Bye-Album.

Für Fans mag das in Zeiten der Pandemie wie ein weiterer Schlag in einer tristen Zeit sein, vielleicht aber auch vorsichtig optimistisch daran erinnern: Dinge kommen und gehen. Und Joan of Arc ist lange geblieben. Über 30 Veröffentlichungen, diverse Wechsel in der Besetzung, eingängige Songwriter-Songs vs. Noise und schroffen Emo-Rock zeichnen ihren Weg. Nur einem Ideal scheint die Gruppe um Tim Kinsella immer treu geblieben zu sein: dem Selbstverständnis im Experiment die eigenen musikalischen Grenzen auszutesten und dabei dem Publikum mit Selbstbewusstsein die Grenzen des Hörbaren aufzuzeigen.

Auch ihr letztes Album hält daran fest, allerdings mit Bemühungen nicht unbedingt mit dem sperrigsten aller Werke die Bühne zu verlassen. Mit Rückgriffen in die 90er Emo-Kiste wie mit dem Opener Destiny Revision oder opulenten Schwelgern wie Rising Horizon greifen sie auf das zurück, wofür sie geliebt werden. Und wenn sie auch diesmal allerlei Knarzen, rhythmische Schönheitsfehler und schiefen Gesang einsetzen, um vom Gewöhnlichen abzuweichen (Land Surveyor, Cover Letter Song), so ganz schwierig wird es nie. Feedback 3/4 hat sogar etwas von gefälligem Synth-Pop und Karma Repair Kit erinnert an etwas weniger nuancierte The Notwist Songs.

Durch das ganze Album weht eine angenehme Prise Melancholie, ohne es sich einfach zu machen und diese in A Portable Model Of Manier zu erzeugen. Viel mehr entsteht sie aus dem „Vermissen-Werden“ der Fülle ihrer Arbeit, die sie auf ihrer letzten Platte nochmal präsentieren, irgendwie erwachsen und gleichzeitig so frisch wie selten zuvor. Hanif Abdurraqib fasst es schön zusammen: „But a listener can hear in this album that these people still love making music together. They’re still excited by how far they can push each other creatively.” Es bleibt nun also dieses Album und seine ca. 30 Vorgänger. Mehr als genug um sich davon zu überzeugen, wie selten sie sich in 25 Jahren wiederholt haben. Neben ebenso wunderschönen, wie nervtötenden Musik-Erfahrungen bleibt also vielleicht noch eine letzte Inspiration: Bildet Kollektive!

Joan of Arc – Tim Melina Theo Bobby
VÖ: 4. Dezember 2020, Joyful Noise Recordings
www.joanofarcband.com
www.facebook.com/joanfrc

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